UTA erwartet 2002 Umsatzplus von 20 Prozent

8. Jänner 2002, 13:47
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Flächendeckende Entbündelung geplant - E-Business wächst langsamer als erwart - Börsegang weiter auf Eis

Die Wiener Telefon- und Internetbetreiber UTA Telekom AG, eine Tochter der Swisscom, der Landesenergieversorger und der Raiffeisen, hat nach Abschluss des Kostenreduktionsprogramms - bis Ende 2001 wurden die Mitarbeiterzahl von 860 auf 650 reduziert - für 2002 ehrgeizige Ziele. Trotz schwierigen Marktumfelds durch die Konjunkturflaute, den wachsenden Preisdruck und den verschärften Wettbewerb will die UTA den Umsatz heuer um 20 Prozent steigern und erstmals ein positives Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (EBITDA) erzielen, sagten die beiden UTA-Vorstände Johannes Schwertner und Romed Karre im APA-Interview.

Plangemäß

2001 sei der Umsatz um 40 Prozent plangemäß auf "mehr als 3 Mrd. S" gestiegen, berichtete UTA-Finanzvorstand Schwertner. Der EBITDA-Verlust habe sich halbiert. Umsatzzuwächse will das Unternehmen heuer vor allem durch eine Klein- und Mittelbetriebe-Offensive und wachsendes E-Business-Geschäft mit der im November 2000 übernommenen Internet-Tochter Netway generieren, auf die 5 Prozent des UTA-Umsatzes entfallen. Netway werde auch nach der vollständigen Integration in die UTA als eigenständiges Unternehmen mit eigener Marke Hosting, Housing, Application Service Providing (ASP), Webconsulting und E-Shopping-Lösungen anbieten und laut Plan den Umsatz heuer um 20 Prozent steigern.

"Nicht so schnell"

"Das elektronische Business hat sich nicht so schnell wie prognostiziert entwickelt, wächst langsamer, aber dafür nachhaltig", bemerkte Technikvorstand Karre. Auf Grund der Konjunkturflaute hätten viele Unternehmen notwendige IT-Investitionen aufgeschoben, die heuer nachgeholt würden, ist Karre überzeugt. Den Terroranschlägen vom 11. September kann Karre auch etwas Positives abgewinnen: "Nach dem 11. September haben die Unternehmen ein zusätzliches Bedürfnis nach Sicherheit, etwa einer Firewall, was zu zusätzlichen Investitionen führt". Viele KMU seien auch punkto Kommunikationsleistungen unterversorgt, es bestehe ein großer Nachholbedarf.

Punkten will die UTA zudem mit der nach eigenen Angaben in Österreich einzigartigen flächendeckenden Entbündelung, was der UTA Zugang zum Endkunden über die so genannte "letzte Meile" verschafft. "Bis Ende 2002 soll die Zahl der entbündelten Wählämter von derzeit 70 auf 125 steigen. Bis dahin können wir 50 Prozent der Geschäftskunden in Österreich und 90 Prozent in Wien entbündeln", prognostizierte Karre.

400.000

Die Zahl der Telefonkunden, die 2001 von 270.000 auf 400.000 gestiegen ist, werde heuer weiter auf mehr als 500.000 wachsen, schätzt Schwertner. Die Zahl der Internetkunden stieg 2001 von 250.000 auf 305.000, heuer soll die 400.000-Marke durchbrochen werden.

Börsegang weiter auf Eis

Auf dem österreichischen Telekommarkt werde die nach der Liberalisierung eingesetzte Marktbereinigung auch künftig weitergehen. Längerfristig sei nur Platz für zwei große Telekom-Betreiber, sind die beiden UTA-Vorstände Johannes Schwertner und Romed Karre überzeugt. Am stärksten zu schaffen gemacht habe der UTA 2001 nach wie vor der Ex-Monopolist Telekom Austria, der im Zuge des Börsegangs aus einem Tiefschlaf erwacht und mit teils wettbewerbsverzerrenden Rabattaktionen das Preisniveau weiter nach unten getrieben habe.

Die UTA hoffe daher auf einen "schnellen Verkauf" der börsenotierten Telekom Austria (TA), da der Markt derzeit "unberechenbar" sei, betonte Karre. Ein neuer Eigentümer werde zu einem seriöserem Wettbewerb auf dem österreichischen Markt führen, hofft Karre. Vom neuen TA-Eigentümer hänge auch die weitere Strategie der auf dem österreichischen Telekom-Markt präsenten internationalen Telcos ab, so auch der Swisscom, die 45,5 Prozent und eine Aktie an der UTA hält. 45,5 Prozent minus 1 Aktie an der UTA halten die neun Landesenergieversorger, 9 Prozent gehören der Raiffeisengruppe.

Neues Geld

Vor einigen Wochen war die UTA im Zentrum von Gerüchten gestanden, wonach die Swisscom die UTA an die Telefonica verkauft werde. Die laufende Finanzierung der UTA durch die Eigentümer, die im Vorjahr auf 5 Jahre fixiert worden sei, laufe plangemäß, die Eigentümer würden der UTA monatlich neues Geld zuschießen. Details zum Business-Plan wollte Schwertner nicht nennen.

Der Ende 2000 angestrebte und auf Grund des schlechten Börseklimas abgeblasene Börsegang der UTA liege indes weiter auf Eis, stelle jedoch längerfristig nach wie vor eine Möglichkeit für die UTA dar, so die UTA-Vorstände.

Mit dem Geschäftsbereich "International Carrier" will die UTA künftig auch am Geschäft mit der dritten Mobilfunkgeneration UMTS mitnaschen, sagte Schwertner. Die UTA vermiete derzeit bereits ihre Leitungen an die heimischen Mobilfunkbetreiber max.mobil, One und tele.ring für das GSM-Netz, künftig wolle man den Handynetzbetreiber die eigenen Netzkapazitäten auch für UMTS anbieten.(APA)

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