USA weiter um Spannungsabbau bemüht

9. Jänner 2002, 06:29
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Für Washington liegt Hauptkonflikt in der Frage der Terrorismusbekämpfung

Washington - Die US-Regierung will sich nach offiziellen Angaben weiter um einen Abbau der Spannungen im Konflikt zwischen Indien und Pakistan bemühen. Aus Kreisen der US-Regierung verlautete am Dienstag (Ortszeit), bei den für Mittwoch in Washington geplanten Gesprächen mit dem indischen Innenminister Lal Krishna Adavni Advani würden dessen Gesprächspartner deutlich machen, dass die USA von Indien eine Gegenleistung für die Bemühungen des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf erwarteten, dem Terrorismus in seinem Land entgegen zu treten.

Indien müsse jetzt Geduld zeigen. Advani, der auf Einladung von Justizminister John Ashcroft die USA besucht, wollte am Mittwoch unter anderem mit Außenminister Colin Powell zusammentreffen. Erwartet wurden auch Gespräche des Ministers mit US-Präsident George W. Bush und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice.

Die USA sehen den Hauptkonflikt zwischen Indien und Pakistan nach offiziellen Angaben nicht so sehr im Streit um Kaschmir, sondern in der Frage, wie entschieden der Terrorismus in der Region bekämpft werde.

Indiens Regierung hatte am Dienstag erklärt, in Neu-Delhi sehe man trotz entsprechender Ankündigung Pakistans keine Bewegung in dessen Kampf gegen den grenzüberschreitenden Terrorismus. Die Sprecherin des Außenministeriums, Nirupama Rao sagte, Indien warte noch immer auf "konkrete, ernst gemeinte und wesentliche Schritte" Pakistans gegen Guerilla-Gruppen, die von pakistanischem Boden aus gegen Indien kämpften. Für eine Vermittlung Dritter sah sie keinen Raum: "Es ist Sache unserer beiden Länder, dieses Thema zu behandeln." Indien wirft seinem Nachbarland vor, moslemische Terroristen zu unterstützen, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpften.

Musharraf hatte erklärt, sein Land weise Terrorismus in allen Formen und Ausprägungen zurück und habe mit der internationalen Koalition gegen den Terrorismus in diesem Geist vollständig kooperiert. Er kündigte an, in einigen Tagen endgültige Entscheidungen bekannt zu geben. Pakistan hatte mehrere hundert militante Moslems festgenommen und sich dabei auf die Gruppen Lashkar-e-Taiba und Jaish-e-Mohammad konzentriert. Aus pakistanischen Kreisen hieß es, Musharraf habe bei dem Treffen mit seinem Generalstab am Dienstag den Verteidigungswillen seines Landes betont.

Nach einem Anschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember, bei dem 14 Menschen starben, wurde an der Grenze zwischen beiden Ländern das größte Truppenaufgebot seit 15 Jahren zusammengezogen. Indien macht Separatisten der oben genannten Gruppen für den Anschlag verantwortlich und wirft Pakistan vor, diese bei ihren Operationen im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir zu unterstützen, was Pakistan jedoch bestreitet.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, haben um Kaschmir bereits zweimal Krieg geführt. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 kontrolliert Indien 45 Prozent der Bergregion, Pakistan etwa ein Drittel. Der Rest steht unter chinesischer Verwaltung. Seit Ausbruch der Kämpfe um die Unabhängigkeit Kaschmirs von Indien 1989 wurden nach Behördenangaben mehr als 33.000 Menschen getötet. Separatisten schätzen die Zahl der Toten auf rund 80.000.(APA/Reuters)

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