G-10: Anzeichen für Konjunkturerholung im Jahresverlauf

8. Jänner 2002, 11:22
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Wachstumsanstieg vor allem in den USA und im Euroraum erwartet

Basel - Die globale Wirtschaft wird sich nach Einschätzung der Notenbanken der Industrieländer im Verlauf dieses Jahres erholen. Wie der britische Notenbankgouverneur und Sprecher der G-10-Gruppe, Eddie George, am Montag nach einem Treffen der Notenbanken bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erläuterte, wird sich die Weltwirtschaft nach Ansicht der Notenbanker kurzfristig weiter schwach entwickeln.

Doch gebe es Zeichen für eine Erholung vor allem in den USA und im Euroraum sowie in einigen der angehenden Industrienationen. Im Laufe dieses Jahres bestünden sogar Aussichten auf einen deutlichen Wachstumsanstieg.

Weiterhin Risiken für eine wirtschaftliche Erholung

Allerdings gebe es weiterhin Risiken für eine wirtschaftliche Erholung, sagte George weiter. Daher sei die Prognose der G-10-Gruppe über die weiteren Aussichten der Weltwirtschaft eher als "vorsichtig optimistisch" zu charakterisieren. Die Konjunkturdaten in den USA seien derzeit eher "gemischt". Zwei Monate zuvor seien sie generell eher negativ ausgefallen.

Die Talsohle dürfte im vierten Quartal 2001 erreicht worden sein. Im Euroraum stagniere das Wachstum derzeit. Dies dürfte noch bis zum Frühjahr anhalten. Danach sei aber mit einer Erholung zu rechnen.

Japan: Wirtschaftswachstum stagniert

Mit Blick auf Japan betonte George, dort stagniere das Wirtschaftswachstum weiter. Die von der japanischen Regierung eingeleiteten Reformen zur Stärkung des Finanzsystems dürften aber nur kurzfristig einen dämpfenden Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung haben. Ab 2003 bildeten sie vielmehr die Basis für ein nachhaltiges Wachstum.

Die G-10-Gruppe sei zuversichtlich, dass Japan erfolgreich die derzeitige schwierige Lage durchstehen werde. Die Yen-Schwäche bezeichnete George als "Konsequenz" des angeschlagenen Finanzsystems. Die Lage in China dürfte sich parallel zur graduellen weltwirtschaftlichen Erholung dagegen noch dieses Jahr aufhellen.

Argentinien: Sehr schwierige Lage

Argentinien befinde sich derzeit in einer "sehr schwierigen Lage" fügte der G-10-Sprecher hinzu. Doch gebe es auch für dieses Land die Aussichten auf eine Stabilisierung und erneutes Wachstum, was allerdings noch dauern dürfte. George verwies in dem Zusammenhang auf die brasilianische Wirtschaft, die nach der Energiekrise 2001 wieder moderat gewachsen sei. Die Situation in der Türkei habe sich ebenfalls gebessert. Argentinien werde von der globalen wirtschaftlichen Erholung profitieren. Die Auswirkungen des Notstandsprogramms der argentinischen Regierung seien noch nicht absehbar.

Der Ölpreis habe sich in den vergangenen zwei bis drei Wochen stabilisiert, sagte der britische Notenbankgouverneur außerdem. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, habe die G-10-Gruppe auf ihrem Treffen über den positiven Verlauf der Euro-Bargeldeinführung informiert. Die Notenbanker stimmten darin überein, dass die Währungsumstellung außergewöhnlich glatt und in einigen Ländern sehr schnell erfolgt sei.(APA/vwd)

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