"Ein funktionierendes Bindeglied"

8. Jänner 2002, 09:31
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Wie Pressesprecherinnen ihre ChefInnen verkaufen - Heidi Glück (Schüssel), Andrea Krametter (Riess-Passer), Conny Zoppoth (Gusenbauer) - Teil I

Heidi Glück , Sprecherin des Bundeskanzlers

Wenn nomen est omen, dann hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) mit der ehemaligen Sprecherin von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer einen Glücksgriff getan: Heidi Glück heißt seine "zweite Stimme". Gefragt nach dem "Verkaufsrezept" für ihren Chef, lacht sie: "Das ist mein Geheimnis. Man berät ihn einfach."

Nicht Sakkofarbe oder Krawattenmuster sind Objekte des Glückschen Politikermarketings: "Was ihm steht, weiß der Kanzler selbst am besten." Sie sieht sich als Kommunikatorin von Themen, für die sie sich die richtigen Verkaufsorte (Medien) überlegt. Das Image eines Politikers umschreibt sie als "Summe der öffentlichen Präsentationen. Man kann Dinge verstärken, aber Überinszenierungen kommen nicht an." Fehlinszenierungen noch weniger. Keine Kamera entgeht ihr. Ein Boot als Motiv würde ihr nicht passieren: "Irgendwo käme ,sitzt im wackeligen Boot' oder ,droht zu kentern'". Das Porschefoto mit Haider am Steuer ist "glücklos" entstanden.

Andrea Krametter , Sprecherin der Vizekanzlerin

In der FPÖ könne jedEr MitarbeiterIn am Meinungsprozess teilnehmen und sich einbringen. Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit Susanne Riess-Passer, sagt Andrea Krametter, die durch Jörg Haiders Schule gegangen ist. Sie sieht ihre Aufgabe darin, "ein gut funktionierendes Bindeglied zwischen Journalisten und der Chefin zu sein".

Diese sei ein "absoluter Medienprofi", meint Krametter, "sie kommt auch sehr gut rüber". Auch wenn es immer wieder Situationen gebe, in denen sie sich wünschte, sie wären anders verlaufen. Von Stylingberatung hält Krametter wenig. "Das Echte wird leichter angenommen als das Gekünstelte, das wirkt nicht glaubwürdig." Außerdem: "Meine Chefin hat einen sehr guten Geschmack." Wichtiger als Styling sei es, den JournalistInnen Inhalte zu vermitteln. "Oft wird sehr schnell und aufgeregt berichtet oder kommentiert, das greift zu kurz." Daher bemühe sie sich, so Krametter, auch den sachlichen Hintergrund einer Geschichte nahe zu bringen: "Möglichst rechtzeitig."

Conny Zoppoth , Sprecherin des SP-Vorsitzenden

Conny Zoppoth sagt, Alfred Gusenbauer nehme ihr einige Arbeit ab, da er selbst für die Medien immer erreichbar sei.

Sie rede ihm nur bei der Umsetzung der inhaltlichen Schwerpunkte drein. Am Image des Parteichefs habe sie "noch nie gedreht", behauptet Zoppoth. Professionelle Kommunikations- oder Stylingberater kämen beim SPÖ-Chef nicht zum Zug. "Wir holen uns Tipps, aber keine Rundumbetreuung." Als nach Gusenbauers Bestellung zum Parteichef die Diskussion über seine rote Ledertasche aufflammte, beharrte Zoppoth darauf, die Linie beizubehalten und sich ja nicht von Kritik beeinflussen zu lassen.

"Man nimmt einem Politiker nichts mehr ab, wenn er nicht authentisch ist." Die Reaktion der ehemaligen Schlögl-Sprecherin auf Debatten à la "Neue Frisur, Brille weg, müssen Politiker schön sein?": "Das ignorieren wir einfach. Frühere Politiker, auch aus unseren Reihen, waren einfach überberaten."
(völ)

(Der Standard, Print-Ausgabe, 7.1.2002)

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