Zwei Jahre Haft für Übergriffe im Pfarrhof

8. Jänner 2002, 16:23
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Geistlicher missbrauchte Ministranten

Ried/Linz - Ein kurzer Prozess wurde am Montag in Ried in Innkreis jenem Pfarrer gemacht, der mehrere minderjährige Ministranten sexuell missbraucht haben soll. Nach einer knappen Stunde wurde der Mann zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Der Angeklagte, ein gebürtiger Niederländer, der aus der Seelsorge abgezogen wurde, erbat Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Zusätzlich sprach Richter Reinhart Daghofer fünf Opfern Schmerzensgeld zwischen 1000 und 2500 Euro (13.760 und 34.401 Schilling) zu.

"Aus generalpräventiven Gründen darf bei derartigen Übergriffen, die sich über Jahre hinziehen, keine teilbedingte Strafe ausgesprochen werden", begründete der Vorsitzende im Schwurgerichtssaal das Urteil. "Die Justiz muss hier ein deutliches Signal setzen", führte Daghofer weiter aus. Mildernd sei zwar das schriftliche Geständnis zu werten, in dem der Pfarrer angab, seine Taten "zu verabscheuen", die Tathäufung sei aber erschwerend.

Laut Anklage habe der Mann seit 1999 immer wieder Burschen zu sich in den Pfarrhof im Bezirk Schärding gebeten, um Haus- und Gartenarbeiten zu verrichten. Dafür gab es Geld und kleine Geschenke, zusätzlich mussten die Opfer aber auch Pornohefte ansehen und den Pfarrer im Lendenbereich wegen angeblicher "Verspannungen" massieren. Dabei sei es dann auch zu den Unzuchtshandlungen gekommen.

Ehe die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, führte der Verteidiger noch an, sein Mandant befinde sich mittlerweile in psychiatrischer Behandlung und bedaure die Taten. Der Pfarrer sei in seiner "schwierigen Kindheit" selbst homosexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen.

Bei der Diözese Linz bedauert Generalvikar Josef Ahammer die Vorfälle. Er betonte, dass der Betroffene nie mehr in Oberösterreich tätig sein werde. Helga Schwarzinger, Mitglied der Diözesankommission gegen Missbrauch und Gewalt, hofft, dass dieses Urteil Betroffenen Mut macht, ihre Scham zu überwinden und sich "mehr Opfer melden". In den viereinhalb Jahren ihres Bestehens hatte die Kommission zwei Fälle zu untersuchen. (moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2002)

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