"80 Prozent der Anleger zahlen drauf"

6. Jänner 2002, 18:55
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Neuer Finanzdienstleister warnt vor versteckten Kosten, die Fondsanlegern jahrelang Renditen fressen

Wien - Aufklären statt glitzern, heißt das Verkaufsmotto des ersten österreichischen Weltindexfonds, ein Produkt des Grazer Finanzdienstleisters moneyfruits mit dem Management von Oppenheim. Der Dachfonds wird derzeit gerade zugelassen und ab Ende Jänner dann vertrieben. Er setzt sich aus den wichtigsten internationalen Börsenindexfonds zusammen, die nach Bruttoinlandsprodukt - nicht wie üblich nach Marktkapitalisierung - gewichtet sind.

Brautschmuck

Verkaufsargumente sind einerseits die geringen laufenden Kosten des Produktes und andererseits die Diversifikation (Risikostreuung). Moneyfruits attackiert damit Banken und Fondsgesellschaften: In den Prospekten würden lediglich Ausgabeaufschlag und Management- sowie Depotgebühr ausgewiesen.

Durchschnittlich sind das einmalige Belastungen von bis zu fünf Prozent und jährliche Gebühren von zusammen rund zwei Prozent. Die jährlich anfallenden laufenden Zusatzkosten dagegen würden meist verschwiegen. Moneyfruits-Vorstand Markus Platzer: "Oft kommen bis zu zwei Prozent allgemeine Verwaltungskosten dazu, die allesamt von der Performance abgerechnet werden müssen." Im Klartext bedeute das: 80 Prozent aller Anleger rutschen abzüglich der Gebühren unter die Rendite, die der Markt erzielt. Platzer rechnet vor: "Schon ein Prozent laufende Kosten machen in 20 Jahren einen Auszahlungsunterschied von 20 Prozent aus."

Für den neuen Moneyfruits-Weltindexfonds, der 50 Prozent geringere laufende Kosten als die üblichen am heimischen Markt verkauften Dachfonds verspricht, bedeute das: nach 20 Jahren 44 Prozent höhere Auszahlung.

Das Lockangebot von "no load"-Fonds, also Fonds ohne Ausgabeaufschlag, verblende ebenfalls die Kunden, warnt Platzer. Denn diese einmalige Gebühr sei bald verdaut, wichtig sei nur, was dann jährlich abgezogen werde.

Wissende Kunden

Vertrauen will moneyfruits durch Aufklärung erwerben. Via Homepage können User sich kostenlos durch 500 Seiten Wissen lesen und Antworten zu Investmentthemen finden, fertige Broschüren zu Themengruppen herunterladen und mit einem Kalkulator Veranlagungen berechnen - und zwar von hinten herum: den gewünschten Auszahlungsbetrag eingeben und so abzüglich Kosten und Inflation den monatlich einzuzahlenden Kapitalbedarf in der passenden Anlagekategorie erfahren.

Zusätzlich finden sich Merkblätter zu Anlegerfallen, werden Prospektwahrheiten hinterfragt oder bekannte Finanzgurus in Zitaten eingefangen. Besonderes Augenmerk wird auf Diversifikation mit finanzmathematischer Ergänzung gerichtet. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 7.1.2001)

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