Jüdisches Museum in Halberstadt vor der Schließung

4. Jänner 2002, 14:13
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Sachsen-Anhalt sieht sich nicht mehr zur Unterstützung in der Lage

Halberstadt - Drei Monate nach seiner Eröffnung steht das jüdische Museum in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) bereits wieder vor der Schließung. Die weitere Finanzierung des "Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur" sei nicht gesichert, teilte Gründungsdirektor Julius H. Schoeps - zwischen 1993 und 1997 Leiter des Jüdischen Museums der Stadt Wien - am Freitag mit. Er bezeichnete die mögliche Schließung als fatales Signal.

Das Museum war mit Landesunterstützung an der Moses-Mendelsohn-Akademie in Halberstadt eingerichtet worden. Zur weiteren Unterstützung auch nur mit geringen Mitteln sehe sich das Land laut Schoeps jetzt jedoch nicht mehr in der Lage. Das Kultusministerium habe stattdessen vorgeschlagen, das Museum möge seine Personal- und Sachkosten selbst erwirtschaften.

Am 23. September 2001 war das Museum eröffnet worden. Der Aufbau war mit Landesmitteln, Mitteln öffentlicher Stiftungen und in großem Umfang mit privaten Mitteln einer aus Halberstadt stammenden jüdischen Familie finanziert worden. Kaum eine Stadt in Deutschland habe eine so bedeutende jüdische Tradition wie das am Harzrand gelegene Halberstadt, sagte Schoeps. Die bisher stark beachtete Ausstellung enthalte bedeutende Exponate, die jüdische Familien aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt haben. Eine museumspädagogische Betreuung habe das Museum zu einem attraktiven Anziehungspunkt für Schulen gemacht. (APA/dpa)

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