Bosnische Kroaten fordern erneut territoriale Umgestaltung des Landes

4. Jänner 2002, 12:08
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HDZ-Vizepräsident: Kroatische Gebiete in "Herceg-Bosna" eingliedern

Sarajewo/Wien - Die Kroatische Demokratische Gemeinschaft(HDZ) in Bosnien-Herzegowina hat erneut die politisch-territorialeUmgestaltung des Staates gefordert. Der Vizepräsident dernationalistisch orientierten Partei, Marko Tokic, forderte erneutdie Einrichtung von mindestens drei föderalen Einheiten. Die HDZunterstütze die Idee der Bildung von mehreren föderalen Einheiten, indenen dann die einzelnen Völker die Mehrheitsbevölkerung stellenwürden, wurde Tokic am Donnerstag von der jugoslawischenNachrichtenagentur Tanjug zitiert.

"Auf diese Weise würden Bedingungen für die Vereinigung derkroatischen föderalen Einheiten in die Kroatische RepublikHerceg-Bosna geschaffen werden", nannte Tokic das Ziel dieserForderung. Mit der Stellung und der Situation des kroatischen Volkesin der bosniakisch-kroatischen Föderation unzufrieden, fordert dieHDZ schon seit geraumer Zeit die politisch-territoriale Umgestaltungdes Landes.

Im März vergangenen Jahres proklamierte der "KroatischeVolkskongress" eine Selbstverwaltung in den mehrheitlich von Kroatenbewohnten Gebieten. Mit dieser de-facto-Abspaltung kroatischerSiedlungsgebiete von der bosniakisch-kroatischen Föderation wurdeauch das 1995 geschlossene Dayton-Abkommen aufgekündigt und die HDZstellte sich somit klar gegen den Kurs der internationalenGemeinschaft, die den Erhalt des gemeinsamen Staates wünscht.

Im Dayton-Vertrag, mit dem das Land auch in zwei Gebietseinheitengeteilt wurde (bosniakisch-kroatische Föderation und bosnischeSerbenrepublik), hatte sich die kroatische Seite verpflichtenmüssen, ihren während des Bürgerkrieges (1992-1995) ausgerufenenStaat "Herceg-Bosna" aufzulösen. Dennoch sind die Stimmen nach einerselbständigen kroatischen Republik in Bosnien-Herzegowina bis heutenicht verstummt. (APA)

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