Kreditversicherung wird viel teurer

2. Jänner 2002, 16:52
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Mit den hohen Schadensquoten schnellen die Prämien in die Höhe - Bau und Gewerbe betroffen

Wien - Nach zwei Quartalen mit rückläufiger Wirtschaftsentwicklung im Großteil der Industriestaaten und angesichts einer wieder ansteigenden Pleitewelle wird nun auch die Versicherung gegen Forderungsausfälle viel teurer.

Die Prämien für die Kreditversicherung, also für jene Polizzen, die Lieferanten ihr Geld sicherstellen, werden um "zehn bis 100 Prozent" erhöht, sagt Jochen Dümler, Chef der Prisma Kreditversicherung in Österreich. Prisma nimmt rund 30 Mio. Euro an Prämien ein und besetzt damit mehr als 40 Prozent des heimischen Kreditversicherungsmarktes. Die großen Assekuranzen haben Industrie und Gewerbe aufgrund der hohen Schadensquote bereits im Vorjahr Prämienerhöhungen in der Schadenversicherung angekündigt.

"Wir müssen wirklich bluten"

Prisma-Chef Dümler argumentiert nun ebenfalls mit den Ausfällen: Seit Ende des Jahres 2000 liege die Schadensquote in der Branche bei rund 100 Prozent - die Kreditversicherer müssen also so viel auszahlen, wie sie an Prämien einnehmen: "Wir müssen wirklich bluten." Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Firmenzusammenbrüchen, darunter auch heimische Großinsolvenzen wie etwa Steiner oder Libro.

Besserung nicht in Sicht

Besserung zeichne sich für das laufende Jahr noch nicht ab: "Wir wissen nicht, wie lange dieses Tal sein wird." Verschärft werde die Situation dadurch, "dass sich erstmals gleichzeitig 75 Prozent der Weltmärkte in der Krise befinden".

Ihrerseits sind die Kreditversicherer bei Rückversicherern gedeckt, die ihren "schlechten" Kunden nun die Verträge neu auf den Tisch legen oder sogar die Deckung verweigern. Die Branchengrößen sind ja durch die Ereignisse des 11. September mit 80 bis 100 Mrd. Dollar belastet - im Vergleich dazu beträgt die Börsenkapitalisierung der Unternehmen 250 Mrd. Dollar. Dümler: " Das geht bei denen tief in die Bücher hinein." Damit schließt sich ein Teufelskreis für viele Unternehmen, die sowieso schon in einer recht angespannten Situation unter säumigen Zahlern und restriktiveren Hausbanken sind.

Bau und Gewerbe unter Druck

Die schmerzlichsten Neuverhandlungen bis zur Prämienverdopplung stehen der Baubranche mit ihren "chronisch schlechten" Verträgen ins Haus, "ernsthafte Sanierungsgespräche" werden aber auch mit einem Gutteil der Gewerbebetriebe geführt. "Keine Rasenmähermethode", versichert Dümler, allerdings: Mindestens ein Viertel der bestehenden Verträge kommt jetzt auf den Verhandlungstisch.

Dabei haben die schlechten Zeiten auch ihre guten Auswirkungen für die Assekuranzen: Das Risikobewusstsein der Unternehmen steigt, das Neugeschäft der Kreditversicherer wächst derzeit zweistellig. Durchschnittlich kostet eine Kreditversicherung pro Monat zwischen 1,5 und 2,5 Promille des versicherten Außenstandes. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 3.1.2001)

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