Schüssel: "Danke Schilling, willkommen Euro"

1. Jänner 2002, 22:50
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Prodi: Ohne Euro würde Europas Wirtschaft an den Rand gedrängt

Wien - Mit viel Freude und (fast) ohne Wehmut haben Kommissionspräsident Romano Prodi und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Neujahrstag die europäische Gemeinschaftswährung Euro begrüßt, die seit heute offizielles Zahlungsmittel für mehr als 300 Millionen Menschen in allen zwölf Ländern der Euro-Zone ist. Die meisten Bürger der Euro-Zone hätten jetzt bereits Euro in der Tasche. Das gemeinsame Bargeld werde das Verhältnis der EU-Bürger und der Institute untereinander intensivieren, unterstrich Kommissionspräsident Prodi in einem Interview am Rande des Neujahrskonzerts im Wiener Musikverein am Dienstag vormittag.

Eine gemeinsame Währung sei eine Notwendigkeit in einer globalisierten Welt, wenn Europa nicht an den Rand gedrängt werden wolle, sagte Prodi, der den Jahreswechsel in Wien verbrachte. Gemeinsam mit dem österreichischen Bundeskanzler kaufte er in der Silvesternacht kurz nach 0.00 Uhr Blumen in der Wiener Innenstadt, bezahlt wurde mit druckfrischen Euro-Scheinen.

Aktiv an der Zukunft mitarbeiten

Der Euro biete die Möglichkeit, in einer Welt, in der es keine Zwänge gebe, aktiv an der Zukunft mitzuarbeiten, sagte Prodi. Der Euro habe die Wirtschaftskrisen in Russland, Asien oder nach den Anschlägen vom 11. September unbeschadet überstanden, unterstrich Prodi. Außerdem habe er zu sinkenden Inflationsraten und mehr Budgetdisziplin beigetragen.

Schüssel bedankte sich beim Schilling, der maßgeblich zum Erfolg der österreichischen Wirtschaft beigetragen "und Österreich groß gemacht" habe: "Danke Schilling, willkommen Euro". Der Euro sei bereits jetzt eine wichtige Weltwährung wie der US-Dollar. Damit sei das wichtige Ziel erreicht, Europa in der Welt als "global player" sichtbar zu machen. Davon werde letztlich jeder profitieren.

Abschied "von einem Stück Identität"

Es sei natürlich, dass der Abschied "von einem Stück Identität" wie den nationalen Währungen manchen Leid tue, sagte Prodi. "Wenn wir nicht traurig wären, wäre es nicht wichtig gewesen". Aber so sei das Leben. Die nationalen Währungen hätten jetzt "etwas Größerem, Stärkerem" Platz gemacht. "Nicht weinen, weil es vorbei ist, sondern lächeln, dass es gewesen ist", rät Schüssel. Für ihn komme Identität in der Kultur stärker zum Ausdruck aus als im Geld.

In der Brieftasche des Kommissionspräsidenten dominiert bereits der Euro. Zusätzlich trägt er aber auch noch einen 100.000-Lire-Schein "als Souvenir" mit sich. Bundeskanzler Schüssel dagegen ist nach eigenen Angaben schon "total umgestiegen" und hat alle Schilling ausgegeben.(APA)

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