Trinkgeldfalle (I)

25. Jänner 2002, 09:16
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Mir ist gleich zu Jahresbeginn ein Missgeschick widerfahren: Ich hatte in einem Restaurant zu viel Trinkgeld gegeben. Zu wenig - okay, das kann vorkommen. Aber zu viel?

Das tut schon weh, in wirtschaftlich harten Zeiten wie diesen. Ich sage Ihnen, der Euro hat es faustdick hinter seinen (ersten) Eselsohren.

Stellen Sie sich vor, der Seewirt Ihres Vertrauens kommt nach einer gelungenen Mahlzeit für zwei mit der Rechnung zu Ihnen - klug genug, diese nicht auf den Tisch zu legen, um Ihnen nur ja keinen Spielraum für die richtige Einstellung nach der Umstellung zu gönnen. Nein, er schmettert Ihnen: "37, der Herr" hin - und öffnet die Hand zum Empfang. Das heißt: Denken unmöglich, rechnen obszön - Sie müssen sofort handeln. Was hätten Sie gesagt? Ich zog meinen ersten Hunderter und fackelte nicht lange herum: "45, passt!" - Sieben läppische Dingsda-Euro werden schon nicht zu viel sein, dachte ich. Damals. Heute sehe ich es anders.

Wenn ich nun ein bisschen Werbung mache und Ihnen verrate, dass der Wirt am Thurnberger Stausee im Waldviertel die saftigste "Forelle Müllerin" zwischen Elbe und Ganges produziert, glauben Sie, gibt er mir das nächste Mal fünf Euro zurück

(DER STANDARD, Printausgabe vom 14.1.2002)

Von
Daniel Glattauer
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