In Kaschmir kämpfende Moslemgruppen

26. August 2003, 19:27
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Pakistan gesteht Unterstützung der "Freiheitskämpfer" ein

Neu Delhi - Die radikalen Moslemgruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed sind nur zwei von zahlreichen Organisationen, die im indischen Teil Kaschmirs für den Anschluss an Pakistan kämpfen. Indien wirft Pakistan vor, die meisten dieser Gruppen zu finanzieren und auszurüsten und ihren Kämpfern Feuerschutz beim Eindringen über die Grenze zu geben. Pakistan gesteht nur diplomatische und politische Unterstützung für die Gruppen ein, die es als "Freiheitskämpfer" bezeichnet. Indien spricht dagegen von "grenzüberschreitendem Terrorismus". Auch die USA haben Lashkar-e-Toiba ("Armee der Gerechten") und Jaish-e-Mohammed ("Armee Mohammeds") auf die Liste terroristischer Gruppen gesetzt. Indien macht sie für den Anschlag auf das Parlament in Neu Delhi verantwortlich.

Im Kaschmir-Tal, von dem ein Drittel in Pakistan und zwei Drittel in Indien liegen, leben fast nur Moslems. 1989 begann auf der indischen Seite ein Aufstand, bei dem bisher bis zu 70.000 Menschen getötet wurden. Zu Beginn kämpfte vor allem die "Befreiungsfront für Jammu und Kaschmir" (JKLF) für die Unabhängigkeit der Region.

Mit der Zeit wurde die JKLF aber immer weiter zurückgedrängt. Heute ist sie nach eigenen Angaben nicht mehr militärisch aktiv. Radikale Moslemgruppen, die für den Anschluss an Pakistan sind, rückten in den Vordergrund. Zu ihnen gehören die Hisbul Mujahedin, Harkat-ul-Mujahedin, Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed.

Zu Lashkar-e-Toiba zählen viele Pakistanis und Araber, die in Afghanistan gegen die Sowjetunion gekämpft hatten. Jaish-e-Mohammed wurde vor zwei Jahren von Azhar Masood gegründet. Er war 1999 durch eine Flugzeugentführung aus indischer Haft freigepresst worden und hatte sich nach Pakistan abgesetzt. Dort wurde er nun festgenommen. Beiden Organisationen werden zahlreiche Bombenanschläge in Indien vorgeworfen.

Außer diesen größeren Moslemorganisationen kämpfen im indischen Teil Kaschmirs auch viele kleinere Gruppen. 1995 rückte Al Faran ins Rampenlicht, als deren Rebellen sechs westliche Touristen entführten. Einer von ihnen entkam, einer wurde enthauptet aufgefunden. Von den anderen, unter ihnen der Deutsche Dirk Hasert, fehlt jede Spur. Auch sie wurden wahrscheinlich ermordet.

Die Organisation Lashkar-e-Jabbar macht Schlagzeilen, weil sie drohte, Frauen in Kaschmir zu erschießen, die sich nicht verschleiern. Dies zeigt die Entfremdung der Rebellen von der Bevölkerung Kaschmirs, die einen liberalen Islam vertritt. Allerdings gibt es auch eine fundamentalistische Frauenorganisation, die Dukhtaran-e-Millat.

Die einzige Separatisten-Organisation, die von Indien geduldet wird, ist die Hurriyat-Konferenz. Ihr gehören 23 Organisationen wie Gewerkschaften und religiöse Gruppen an. Offiziell sind sie gegen Gewalt. Manche Experten meinen jedoch, dass zur Hurriyat-Konferenz auch politische Flügel militanter Organisationen zählen. (APA)

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