Dörflinger: "Nicht mit Scheuklappen im roten Tunnel marschieren"

30. November 2001, 22:04
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Ex-Kronprinz der SP-Steiermark emfiehlt den Genossen mehr Mut zum Gespräch

Graz - Der scheidende SPÖ-Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger, der mit seinem Abschied aus der Politik auch als Nachfolge-Kandidat von Parteichef Peter Schachner aus dem Rennen ist, empfiehlt der SPÖ, "die Gesprächsfähigkeit über alle Parteigrenzen hinweg" zu suchen. In einem Interview für die "Kleine Zeitung" (Samstag-Ausgabe) sagt Dörflinger, "je breiter das Angebot an die Wähler ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas zusammenbringen". Er selbst hätte den Parteivorsitz "sehr gerne gemacht, aber nicht um jeden Preis".

Dörflinger wird 2004 Leykam-Vorstand. Bis zu einer Entscheidung im Frühjahr 2002, wer Peter Schachner als SP-Chef nachfolgt, wird der auf jeden Fall Landesrat bleiben. Zu seinem angekündigten Rückzug sagt Dörflinger, er habe sich deshalb dazu entschieden, denn wenn es "eine Gruppe gäbe, die das nie akzeptiert und in eine andere Richtung arbeiten würde, wäre das nicht gut für die Partei. Wenn also droht, dass es nach der Wahl nur Krampf und Theater gibt, ist es gescheiter, rechtzeitig die Konsequenzen zu ziehen".

Wenn man politisch etwas weiterbringen wolle, müsse man "mit den anderen reden und eine gemeinsame Basis finden". Insofern "akzeptiere ich jedes demokratische Wahlergebnis. Wenn eine Partei, wie immer sie heißt, entsprechende Stimmen und Mandate erreicht, ist sie zu akzeptieren. Das heißt noch lange nicht, dass ich deren Inhalte akzeptiere". Als "einzigen Tipp", den er dem Neuen geben würde nennt Dörflinger: "Wir haben viele großartige Bürgermeister", beim Anforderungsprofil würde er sich an diesen orientieren: "Sie zeigen, dass man sehr wohl Sozialdemokrat sein kann, wenn man nicht mit Scheuklappen links und rechts in einem roten Tunnel herummarschiert".(APA)

Von Walter Müller
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