Lufthansa beantragt Kurzarbeit für 12.000 Mitarbeiter

30. November 2001, 11:48
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Einstellungsstopp bei Lufthansa Technik, aber kein Personalabbau

Frankfurt - Die Lufthansa hat am Donnerstag wegen der schweren Krise in der Luftfahrtbranche Kurzarbeit für das Kabinenpersonal beantragt. Damit sollen Kündigungen von rund 650 Mitarbeiter in der Probezeit verhindert werden. Die Kurzarbeit betrifft rund 12.000 Mitarbeiter und soll für sechs Monate, rückwirkend zum 1. November gelten. Die Einigung mit der Personalvertretung sei aber nur ein Teil des Sparpaketes, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Es werde weiter verhandelt. Alle Beschäftigten müssten sich solidarisch zeigen.

Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Pilotenvereinigung Cockpit hatte Lufthansa, vergangene Woche angekündigt, in allen Bereichen Kündigungen in der Probezeit einzuleiten und auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. In unternehmensnahen Kreisen hatte es geheißen, davon könnten 2.000 bis 4.000 Mitarbeiter betroffen sein. Dies hatte die Airline allerdings nie bestätigt. Lufthansa fehlen nach eigenen Angaben seit den Anschlägen in den USA täglich rund 30.000 Passagiere.

Umsatzeinbußen bei Lufthansa Technik

Die Lufthansa Technik AG wird im kommenden Jahr auf Grund der Kapazitätsreduzierungen in der Luftfahrtbranche Umsatzeinbußen erwirtschaften. Wie August W. Henningsen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa-Wartungstochter, im Gespräch mit der Lufthansa-Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat" am Freitag ankündigte, werden die Umsatzerlöse in der Größenordnung von zehn bis 15 Prozent zurückgehen. Daher gelte auch bei Lufthansa Technik ein Einstellungsstopp. Personalabbau oder Kurzarbeit seien aber derzeit kein Thema.

Basisvergütung von 70 Flugstunden im Monat garantiert

Nach Angaben von Lufthansa wird mit der Kurzarbeit eine Basisvergütung von 70 Flugstunden im Monat garantiert. Den Betroffen entstünden damit keine Einbußen bei der Grundvergütung. ver.di-Sprecher Ingo Schwope, betonte, wer kurz arbeite, bleibe von Kündigungen verschont. Das Kabinenpersonal sei damit aber nicht von den übrigen Verhandlungen zum Sparpaket ausgenommen. ver.di hatte dafür bisher einen Beitrag von 165 Mill. DM (84,4 Mill. Euro/1,161 Mrd. S) vorgeschlagen. Die weiteren Verhandlungen müssten zeigen, ob die Gewerkschaft darüber hinausgehe, sagte der Sprecher. Die Gespräche sollten zeitnah weitergehen. Man führe die Verhandlungen mit dem Willen, zu einer Einigung zu kommen.

Die Pilotenvereinigung Cockpit wollte sich zunächst nicht äußern. Die Gespräche zwischen Lufthansa und Cockpit waren in der vergangenen Woche unterbrochen worden. Der Sprecher der Standesorganisation, Georg Fongern, hatte Anfang dieser Woche betont, Cockpit sei über die bereits gemachten Zugeständnisse hinaus zu keinen weiteren Abstrichen bereit.

Kurzarbeit-Regelung kein Vorbild für den Gesamtkonzern

Die beantragte Kurzarbeit-Regelung für 12.000 Mitarbeiter im Kabinendienst stellt nach Ansicht der Gewerkschaft ver.di allerdings kein Vorbild für den Gesamtkonzern dar. "Eine Ausweitung auf das ebenfalls von ver.di vertretene Bodenpersonal ist nicht durchgängig akzeptabel", sagte ein ver.di-Sprecher. Insofern stelle die Einigung mit der Lufthansa nur eine Teillösung und keine Gesamteinigung dar, fügte er hinzu. Die Vertretung der Lufthansa-Piloten, die Pilotenvereinigung Cockpit, wollte sich zu der vereinbarten Kurzarbeit der Stewards und Stewardessen nicht äußern.

Der ver.di-Sperecher betonte, dass die Gewerkschaft mit der Öffnung des Tarifvertrages erst die Grundlage für die Kurzarbeit geschaffen habe. Er bemängelte jedoch zugleich, dass der Lufthansa die von der Arbeitnehmerseite vorgeschlagenen Einsparungen von 165 Mill. DM nicht ausgereicht hätten. Konkret seien dies die Verlängerung des Tarifvertrags um ein halbes Jahr und die Verschiebung der Zahlung des 13. Monatsgehalts gewesen. Letzteres könne nach dem Vorschlag auch mit einem Zeitguthaben - also cash-neutral - abgegolten werden, erläuterte der Gewerkschafter.(APA/AP/vwd)

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