Hoteliers für offene Geschäfte am Sonntag

26. November 2001, 19:48
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ÖHV-Chef Helmut Peter fordert zusätzliche 100 Mio. Schilling für Tourismuswerbung

Wien - Die herrschende Meinung in Österreich, wonach "die Gäste g'fälligst dann einkaufen sollen, wenn wir offen haben", sei "späthabsburgisch", so Helmut Peter, "Rössl-Wirt" am Wolfgangsee und Vorsitzender der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV). Deswegen forderte er bei einer Pressekonferenz am Montag einmal mehr, dass in Österreich der Ladenschluss zu liberalisieren sei. In vollem Umfang, auch und vor allem an Sonntagen, sei es Unternehmern freizustellen, ob sie die Rollbalken raufschieben oder nicht, so Peter.

Zwecks Argumentationsunterstützung ließ die ÖHV in Wien rund 400 Gäste befragen. Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, wegen Shopping und den Einkaufsmöglichkeiten in die Stadt zu kommen. 57 Prozent halten die Geschäftsöffnungszeiten für zu kurz, 69 Prozent halten eine Sonntagsöffnung für zumindest "wünschenswert". In einer Überschlagskalkulation der Hoteliers kommt demnach heraus: Würde nur ein Fünftel aller Gäste seine Einkaufsneigung umsetzen, würde es sich für den Wiener Handel trotz steigender Personalkosten an Sonntagen bereits zu rechnen beginnen. Derzeit sind Wiener Hotelbetten 7,7 Millionen Mal jährlich belegt. Peter: "Nur mit einer steigenden Wochenendauslastung schaffen wir die Acht-Millionen-Grenze."

Auf Eis

Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten liegt politisch derzeit auf Eis, nachdem Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Frühjahr mit seinem Entwurf, die wöchentlichen Öffnungszeiten von 66 auf 72 Stunden auszudehnen und von Montag, null Uhr, bis Samstag, 17 Uhr, freizugeben, bei der FPÖ abgeblitzt war.

Weiters fordert Peter von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, er möge der Österreich Werbung zusätzliche 100 Millionen Schilling zur Verfügung stellen. Denn, so Peter, viele Länder Europas hätten nach der Terroranschlägen vom 11. September verstärkt Geld in die touristischen "Nahmärkte" gepumpt und so den Konkurrenzdruck auf Österreich erhöht. Peter nannte die Beispiele Schweiz mit 93 Mio. S (6,76 Mio. EURO) und Frankreich mit 60 Mio. an Zusatzbudgets. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 27.11.2001)

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Brauch' ma net
Von Leo Szemeliker

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