Märkte zwischen Hoffnung und Skepsis

25. November 2001, 19:14
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Experten sind sich nicht einig, wohin es im nächsten halben Jahr gehen wird

Der 11. September hat die Aktienmärkte vorübergehend aus dem Gleichgewicht geworfen, zehn Tage später erreichten sie einen Tiefstpunkt, um seitdem wieder in Fahrt zu kommen. So ist Heinrich Spängler, Chef des Salzburger Traditionshauses, optimistisch: "Schau'n Sie sich die Charts der Aktienmärkte seit dem Tiefststand zehn Tage nach den Anschlägen in New York und Washington an. Sie haben zugelegt. Vielleicht ist das auch der Aufschwung."

Einstieg

Spängler erinnert auch an frühere Krisen: Die Börsen antizipieren drei bis sechs Monate Wirtschaftsentwicklung. Demnach könnte es nun nach oben gehen - allerdings mit einem Damoklesschwert behaftet, das Richtung Afghanistan zeigt.

In jedem Fall sieht Spängler "jetzt einen interessanten Zeitpunkt für Anleger zum Einstieg, wenn sich das jemand geld- und zeitmäßig leisten kann. Da hat er aber auch schon die ersten 20 Prozent verloren."

Nicht ganz so optimistisch zeigt sich Paul Severin, Aktienmarktstratege bei der Capital Invest. Er erwartet eine zyklische Erholung Mitte nächsten Jahres. Allerdings meint er auch, was die Gewinnaussichten der Unternehmen anbelangt: "Die Analystengemeinde blickt noch ein wenig zu optimistisch in die Zukunft." Severin bevorzugt zyklische Sektoren. Finanzwerte, vor allem Versicherungen, setzt er auf Untergewichten. Auch der Bereich Tourismus, allen voran die Fluglinienindustrie, bleibe unter Druck.

Mehr Zuversicht versprüht der Experte für internationale Aktienmärkte für den Bereich Telekommunikation und Infotechnologie. Künftig will sich Severin auch an den globalen Sektorcharts orientieren, die immer wichtiger würden. So zeigen Vergleiche, dass bis Anfang November der US-Telekomausrüster AT&S unter den zehn Bestperformern war, der japanische Nippon Telegraph & Telephone dagegen unter den zehn schlechtesten Performern. Was bedeutet: Performance des Unternehmens und der Branche können verknüpft werden.

Günstig

Christian Landrock von der M&A Privatbank sieht optimistisch in die Börsenzukunft: "Die Aktien werden die Tiefststände nach dem 11. September wohl nicht wieder sehen." Die Übertreibung nach oben sei vorher sehr stark gewesen. Nun sieht Landrock ein günstiges Einstiegsniveau auf zwei bis drei Jahre. Die Privatbank mit Sitz in Wien und Salzburg bietet vor allem Dachfonds an, die Manager weltweit betreuen. Die Bank bietet dabei Kunden mit einem Potenzial von fünf Millionen Schilling Dachfonds in Form einer maßgeschneiderten Vermögensverwaltung an. Die Bank, die sich selbst als einzige unabhängige Privatbank in Österreich bezeichnet, zählt zu ihren Besitzern den Wirtschaftsanwalt Rudolf Fries. Er ist mit einem erklecklichen Teil auch als Investor beim Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholm im Boot. Die M&A Privatbank verwaltet zurzeit 3,5 Milliarden Schilling Depotvolumen für etwa 200 Kunden. In drei Jahren will sie die Nummer eins in Service und Qualität sein. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 25.11.2001)

Das Schreckgespenst Rezession ist Wirklichkeit geworden. Der Konjunkturmotor stottert gewaltig, die Aktienmärkte schlagen sich dennoch wieder wacker - gemäß dem Motto, dass sie wirtschaftliche Trends drei bis sechs Monate vorher aufzeigen.
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