Fünfzig Jahre zwanzig sein

26. November 2001, 12:01
posten

Michael Despeghel-Schöne bringt die Idee lebenslanger Fitness an den Mann

Das Leben des Mannes ist ungerecht. Sein Geist ist Moderne und Fortschritt aufgeschlossen, doch sein Körper verhält sich rückschrittlich. Er glaubt immer noch, Jäger und Sammler zu sein und reagiert gereizt, muss er vor Computer und Fernseher verkümmern. Der Mann als Microsoft-Derivat wird dick, weil er zu wenig Fett verbrennt. Seine Kondition kommt ihm abhanden, er wird kurzatmig, lustlos, unzufrieden, sextranig. Und das alles nur, weil er nicht auf die Signale seiner Körpers lauscht, der immer noch dem Mammut hinterhertraben will. "Ein gewisses Maß an Anstrengung ist unverzichtbar, um ein langes Leben bei guter Gesundheit zu führen", sagt Michael Despeghel-Schöne, 41, Gesundheitscoach aus Salem am Bodensee.

"Wer sich nicht anstrengt, verkommt körperlich, wird krank. Unseren Genen ist der Ablaufplan des Steinzeitmenschen einkodiert. Unsere Vorfahren haben pro Tag im Schnitt 50 Kilometer zurückgelegt, um Nahrung zu besorgen. Weil dieses Bewegungspensum zum Überleben nicht mehr nötig ist, müssen wir es künstlich ersetzen, der Körper ist darauf angewiesen."

Aber die uns auffressende Berufswelt verleidet uns die Beschäftigung mit leiblichen Bedürfnissen. Die Männer sind, so hat es der erste europäische "Männergesundheitsbericht", eine Studie der Universität Wien, hervorgebracht, immer noch schlimmer dran als die Frauen. Sie leiden häufiger an Diabetes, schlafen schlechter, werden eher schwerhörig. Der Alterungsprozess setzt bei ihnen mit 20 Jahren ein, bis zum siebzigsten Lebensjahr verlieren sie durchschnittlich neun Kilo Muskelmasse. In der gleichen Zeitspanne steigt der Fettanteil um bis zu 30 Prozent. Männliche Sitz-Karrieren führen zu Schlaganfällen und Herzinfarkten, auch häufiger zu Krebs. Die Lebenserwartung der Männer ist sechs Jahre geringer als die von Frauen, und viele berufliche Dynamiker verbringen ihre Altersjahre miserabel, gepeinigt von körperlichen Gebrechen.

Wer etwas für seinen Körper tut, bevor der Körper ihm etwas antut, wird fitter altern und gesünder sterben. Klingt komisch, aber das ist der Sinn von Anti-Aging. Es geht vorrangig nicht um Kampf gegen Falten und Tränensäcke, sondern darum, sein Ende richtig vorzubereiten, damit es nicht zur Qual wird. "Mit innerer Gelassenheit altern, die späten Jahre als Genuss erleben - dafür sollte man schon etwas tun, wenn man 25 ist", meint Despeghel. "Aber auch über Fünfzigjährige können noch viel erreichen."

Seine Verheißung: "Gezieltes Ausdauertraining mit vergleichsweise geringer Trainingsintensität kann den altersbedingten Verlust der Fitness bis zu 100 Prozent umkehren." Eine kühne These. Michael Despeghel hält seine "Fit forever"-Seminare ab, in denen er zur Theorie die Praxis liefert. Manager, Business Ladies und Dotcoms holt er dort ab, wo sie sich konditionell befinden. Für alle werden ganz individuell zugeschnittene Trainingsprogramme erarbeitet, nach dem Seminar wird bis zu zwölf Wochen per Telefon, Fax oder E-Mail nachgecoacht. "An Bewegung als Grundvoraussetzung für Gesundheit führt kein Weg vorbei. Der Körper will die ausdauernde Bewegung, die im Blut aufräumt, das Herz kräftigt, den Puls senkt und Muskeln aufbaut." Zeitliche Einwände lässt der Sportmediziner nicht gelten. "Für Basisaktivitäten reicht es immer", argumentiert er. "Fahrstühle sind toxisch, lieber Treppen steigen. Das Schlaganfallrisiko kann durch regelmäßige Alltagsbelastung um bis zu 60 Prozent verringert werden, der Blutdruck wird um bis zu 50 Prozent gesenkt."

Den Körper überhaupt so oft bewegen, wie sich nur Gelegenheit bietet. Ihm aber nicht Zwang antun. Wie die Läufer, die keuchend zwischen Freitagabend und Sonntagnachmittag nachholen wollen, was sie die Woche über versäumt haben. Doch es ist nie zu spät für einen Neuanfang, tröstet Michael Despeghel: "Schon sechs Monate regelmäßigen Trainings sorgen dafür, dass ein 50-jähriger Mann eine körperliche Fitness wiedererlangt, wie er sie mit 20 Jahren hatte." Wenn Anti-Aging so aufgeht, dann lohnt es sich, immer noch das Mammut zu jagen.

derStandard/rondo/23/11/01

von Roland Mischke
Michael Despeghel-Schöne: "anti-aging. Ihr persönliches 5-Punkte-Sofortprogramm", vgs Verlagsgesellschaft, Köln 2001, 192 S., 24,90 Euro.
Information zu "Fit Forever-Seminaren": dorint.de.
Share if you care.