Privatfernsehen gibt auf

21. November 2001, 18:48
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Schweiz: Überregionales TV 3 vor Aus

Zürich/Wien - Die heimische Medienbehörde kämpft sich durch Bewerbungsunterlagen von 26 privaten Fernsehprojekten. Ihr Schweizer Pendant kann nun den letzten überregionalen TV-Sender aus den Akten streichen.

Mittwoch stellte der Schweizer Medienkonzern TAMedia (Tages-Anzeiger) die Zahlungen an den Privatsender TV 3 ein. Seit Jahreswechsel war TAMedia Alleineigentümer und erfolglos auf Partnersuche. 50 Prozent gehörten bis dahin der skandinavischen Fernsehholding SBS. Sie hält auch 20 Prozent am heimischen ATV.

TV 3 startete September 1999. Bot "Expedition Robinson" auf, "Big Brother" und "Die Bar", aber auch "Wer wird Millionär?". Die professionellen "News um 7" strich man schon im Frühjahr 2000. Die Kosten erreichten im Vorjahr dennoch 581 Millionen Schilling (42,2 Mio. EURO). Bei flauen Umsätzen stand 2000 unter dem Strich eine halbe Milliarde Schilling Fehlbetrag. Mitarbeiter: 80.

TV3 an vierter Stelle

Mit 7,4 Prozent Publikumsmarktanteil lag TV 3 zuletzt an vierter Stelle hinter dem öffentlich-rechtlichen SF1, RTL und Pro Sieben (die zuletzt nach wenigen Monaten ein gemeinsames Programmfenster mangels Rentabilität stoppten). Von dieser Position kann ATV im heimischen Kabel nur träumen. 4,6 Millionen Deutschschweizer sind fast ausnahmslos über Kabelnetze zu erreichen. Für vernünftige technische Reichweiten bei den acht Millionen Österreichern braucht es kostspieligere terrestrische Sendefrequenzen - die werden gerade von der Medienbehörde vergeben.

Die TAMedia will sich nun auf den - im Sommer zur Gänze übernommenen - Zürcher Stadtsender Telezüri konzentrieren, dessen überregionale Schwester Tele24 mit Monatsende aufgibt.

Bei der noch bis 2002 laufenden Lizenzvergabe für Österreich gilt ebenfalls Wien stärkeres Interesse. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 22. November 2001)

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