"Österreich steckt in Rezession"

21. November 2001, 12:09
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Wifo-Chef Kramer: Bis kommendes Frühjahr rückläufige Wirtschaftsleistung

Wien - Österreich steht - so wie der gesamten Eurozone - ein halbes Jahr einer Rezession ins Haus. Im laufenden letzten Quartal des heurigen und im ersten Quartal des kommenden Jahres sei jeweils mit einem Rückgang der Wirtschaftsaktivität gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. Dies entspreche den Definitionsmerkmalen einer "technischen Rezession", erklärt Helmut Kramer, Chef des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo).

Prognosen korrigiert

Das Wifo werde deshalb auch seine jüngsten Prognosen nach unten korrigieren müssen, erklärte Kramer am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Statt der für heuer vorhergesagten 1,3 Prozent werde es "um wenige Zehntelprozent weniger" an Wirtschaftswachstum geben, wofür vor allem die zuletzt stark eingebrochenen Erwartungen für die deutsche Wirtschaft verantwortlich seien. Auch für das kommende Jahr seien die prognostizier- ten 1,9 Prozent nicht mehr haltbar.

Kramer hält aber an der Erwartung fest, dass es in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres weltweit zu einem kräftigen Wiederaufschwung der Wirtschaft kommen werde. Dieser werde in den USA früher eintreten und auch von dort ausgehen. Die Basis dieses Optimismus sei zum einen die Erwartung, dass die Korrektur der Börsen allmählich einen Boden finde, zum anderen die Auswirkungen der Zinssenkungen und der expansiven Budgetpolitik in den USA.

Konjunkturprogramm

Als Elemente eines Konjunkturprogramms, das auch den Kurs zur Budgetkonsolidierung halte, sieht Kramer das bisher an vielerlei Hemmnissen gescheiterte Ausnutzen bereits genehmigter Haftungsrahmen im Infrastrukturbereich oder in der Forschung. Effizienter als Großprojekte seien etwa die Wärmedämmung von Althausbeständen einzuschätzen.

Eine wirksame Wirtschaftsankurbelung könne aber nur europaweit koordiniert geschehen, weil sonst Impulse über nationale Grenzen hinweg verpufften, meinte Kramer. Dafür habe sich die Wirtschaftspolitik in Europa aber als nicht gerüstet erwiesen. Nun bestehe die Gefahr, dass angesichts rasant steigender Arbeitslosigkeit im Frühjahr an Konjunkturpaketen gebastelt werde, die viel zu spät kämen und schon prozyklisch in die Aufschwungphase hineinwirkten. (jost, DER STANDARD, Printausgabe 20.11.2001)

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