US-Sicherheitsexpertin: "Krieg in Afghanistan noch nicht vorbei"

16. November 2001, 15:41
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Campbell: Kampf gegen den Terror darf nicht bagatellisiert werden

Bregenz - Die amerikanische Sicherheitsexpertin Edwina Campbell warnt davor, die Gefahr des internationalen Terrorismus zu bagatellisieren. "Der Krieg in Afghanistan ist noch nicht vorbei", sagte Campbell am Freitag vor Journalisten und Milizoffizieren in Bregenz. Sie sei zwar überrascht darüber, "wie schnell in dieser Woche alles gegangen ist". Zur Neutralität Österreichs meinte die Politologin, diese sei im Kalten Krieg ein "positiver Beitrag zur Entspannungspolitik" gewesen, heute müsse sich Österreich aber fragen, wie es innerhalb der EU einen Beitrag zur Stabilität leisten könne.

Krieg ist nicht vorbei

Militärisch werde die Lage in Afghanistan hoffentlich bald stabil sein, als nächster Schritt sei eine umfassende politische Lösung im Land sowie humanitäre Hilfe für die Menschen wichtig. Campbell erinnerte daran, dass der gegenwärtige Krieg nur ein Teil des umfassenden Kampfes gegen den Terrorismus ist. Im nicht militärischen Bereich müssten die Geldquellen von Terrororganisationen abgedreht werden, als Rekrutierungsfeld für Gewalttäter in Frage kommende Länder müssten stabilisiert werden. Grundsätzlich hofft Campbell, dass nicht neuerliche terroristische Angriffe in den USA oder anderen Teilen der Welt zeigen, "dass der Krieg noch nicht vorbei ist".

Lob für die "Versöhnungspolitik" von Putin und Bush

Positiv bewertet die ehemalige Diplomatin und Politikberaterin die neue Ära in den Beziehungen zwischen den USA und Russland. Die Präsidenten Bush und Putin seien nicht mehr vom Kalten Krieg geprägt und eher für eine Versöhnungspolitik bereit als frühere Generationen.

Österreichs Beitrag zur Entspannungspolitik Zur österreichischen Neutralität merkte Campbell an, diese habe nach dem Staatsvertrag und in Zeiten des Kalten Krieges einer klaren und vernünftigen Realpolitik entsprochen und sei ein "positiver Beitrag zur Entspannungspolitik" gewesen. Seit 1989 hätten sich aber viele Dinge geändert und Österreich müsse sich nun die Frage stellen, wie es als Mitglied der Europäischen Union und der Partnerschaft für den Frieden seinen Beitrag zur Stabilität in Europa und der Welt leisten könne. Ein möglicher NATO-Beitritt sei letztlich eine innenpolitische Entscheidung Österreichs. Es sei ihr bewusst, dass lange Zeit gültige und eingefahrene politische Linien nur schwer zu ändern sind, räumte Campbell ein. (APA)

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