Illegale Pflege: Keine leistbaren Alternativen

15. November 2001, 20:37
posten

Oberösterreich debattiert um illegal beschäftigtes Pflegepersonal

Linz - Die Debatte um illegal beschäftigtes Pflegepersonal aus Tschechien und der Slowakei (DER STANDARD berichtete) zeigt die schwierige Lage, in der sich pflegebedürftige Patienten befinden. Denn ein kostengünstiges, flächendeckendes Angebot an 24-Stunden-Betreuung gibt es in Österreich nicht. Wer sich eine ausländische Pflegekraft besorgt, riskiert bei deren Ausweisung, plötzlich alleine dazustehen. Wie groß der Bedarf an 24-Stunden-Pflegern tatsächlich ist, ist unbekannt.

Zahlen in dieser Causa sind rar

Wie überhaupt exakte Zahlen in dieser Causa rar sind. Bei der Stiftung "Südböhmische Volkshilfe" will man nicht sagen, wie viele der Pflegekräfte nach Österreich vermittelt werden. Der Steyregger Bürgermeister Josef Buchner geht von rund 6000 Menschen aus, die in Österreich tätig sind, anderen Experten erscheint diese Zahl zu hoch.

In Oberösterreich etwa, wo die Diskussion mit der Ausweisung eines tschechischen Pflegers begann, weiß man im Büro von Sozial-Landesrat Josef Ackerl (SP) nur, dass es rund 50.000 Pflegegeldbezieher im Land gibt. Pressesprecher Albert Hinterreitner erklärt, dass nicht überprüft wird, wer die Betroffenen versorgt. "Es gibt zwar eine Qualitätskontrolle, um sicherzustellen, dass niemand verwahrlost, weiter wird aber nicht geprüft." Dass es zu wenig Pflegepersonal gibt, sei bekannt, man versuche daher die mobile Betreuung auszubauen. Die ausländischen Pfleger würden daher geduldet, es gäbe keine Anweisung, sie zu verfolgen.

"Das Pflegepersonal ist Ländersache

Im Gesundheitsstaatssekretariat kennt man das Problem ebenfalls, fühlt sich aber nicht zuständig. "Das Pflegepersonal ist Ländersache, für die fremdenpolizeilichen Maßnahmen ist das Innenministerium zuständig", erläutert Pressesprecher Martin Glier.

Der zuständige Sektionschef im Innenministerium, Wolf Szymanski, weiß ebenfalls von den ausländischen Pflegern. "Rechtlich gesehen sind sie Schwarzarbeiter. Die Exekutive wird allerdings nur tätig, wenn ihr ein Fall angezeigt wird. Wenn wir nichts wissen, machen wir auch nichts", führt er aus. (moe, DER STANDARD Print-Ausgabe 16.11.2001)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.