US- Experten: "Bin Laden soll enden wie Hitler im Bunker"

16. November 2001, 00:14
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Juristen erwägen Vor- und Nachteile eines öffentlichen Prozesses für den Islamistenführer

Washington - Was geschieht mit Osama Bin Laden, sollte er in Afghanistan ergriffen werden? Nach dem Fall von Kabul ist in den USA die Hoffnung gewachsen, den Staatsfeind Nummer eins endlich aufzuspüren. Bin Laden habe nun weniger Raum, sich zu verstecken, da sein Netzwerk al-Qa'ida und die Taliban in ein kleineres Gebiet im Süden Afghanistans gedrängt seien, hieß es in Regierungskreisen.

Verfahren würde zum Medienspektakel

US-Präsident George W. Bush unterzeichnete am Dienstag eine Verordnung, die es erlaubt, mutmaßliche ausländische Terroristen durch Militärtribunale beschleunigt abzuurteilen. Doch selbst so wäre nach Meinung mancher Experten das Risiko nicht ausgeschlossen, dass ein Verfahren zum Medienspektakel würde und neue Anschläge geradezu provozierte.

"Besser tot als lebendig"

Der regierungsnahe Experte Ted Galen Carpenter vom Cato-Institut in Washington sähe es deshalb am liebsten, wenn die von Bush kurz nach dem 11. September aufgestellte Alternative Bin Laden - tot oder lebendig auf eine Option reduziert würde: Es wäre besser, ihn tot zu bekommen. Und am besten wäre es laut Carpenter, wenn Bin Laden selbst dafür sorgte, dass er nicht lebendig in die Hände der Amerikaner geriete - also ein Ende wie Hitler in seinem Bunker.

Ein Sicherheitsrisiko

Die US-Regierung stellt sich hingegen auf ein mögliches Verfahren gegen Bin Laden ein. Die von Bush unterzeichnete Verordnung zu den Militärtribunalen zielt darauf ab, die Sicherheitsrisiken bei einem solchen Prozess einzuschränken. Das vorgesehene Militärverfahren könnte zügig abgewickelt werden, da die Vorlage von Beweisen an weniger strikte Regeln geknüpft und den Angeklagten das Recht auf eine Berufung ge nommen wäre.

Der Prozess könnte auch außerhalb der USA - etwa in Afghanistan oder Pakistan - stattfinden. Von Vorschlägen, Bin Laden vor ein internationales Gericht nach dem Vorbild der Tribunale für Bosnien und Ruanda zu stellen, hält die US-Regierung anscheinend nichts. Dies würde große praktische Probleme etwa beim Austausch von Ermittlungsergebnissen und der Auswahl der Richter aufwerfen, sagt Ruth Wedgwood, Expertin für Internationales Recht an der Yale University.

Kein Forum für Bin Laden

Ein internationales Tribunal würde Bin Laden auch geradezu ein Forum bieten, warnte Carpenter vom Cato-Institut. Ein Taliban-Sprecher sagte am Donnerstag der Agentur AIP, Bin Laden werde lieber sterben, als sich von den USA festnehmen lassen. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 16.11.2001)

Daniel Jahn
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