Krise heizt CDU-Kandidatenfrage an

15. November 2001, 16:49
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Bayerns Stoiber wird angeblich als heißester Merkel-Nachfolger gehandelt

Berlin - Die Regierungskrise hat Bewegung in die Diskussion um die Kanzlerkandidatur der Union gebracht. CSU-Chef Edmund Stoiber kündigte an, die Union werde "innerhalb kurzer Frist" einen Kandidaten benennen, falls Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag mit seiner Vertrauensfrage im Bundestag scheitert.

CSU-Generalsekretär Thomas Goppel und Landesgruppenchef Michael Glos sagten am Donnerstag, die Entscheidung könnte innerhalb von wenigen Stunden nach der Abstimmung im Bundestag fallen. CDU-Spitzenpolitiker sprachen von wenigen Tagen.

Die "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe) berichtete, in der Unions-Führung würden Stoiber die besten Chancen eingeräumt. Spitzenpolitiker von CDU und CSU bekräftigten allerdings, dass noch keine Vorentscheidung gefallen sei.

CDU-Chefin Angela Merkel hatte sich am Mittwochabend mit Stoiber in Berlin getroffen. Dabei ging es nach Angaben Goppels im ZDF-Morgenmagazin auch um das weitere Vorgehen, falls es zu einem Nein bei der Vertrauensfrage komme. Stoiber sagte der "Nürnberger Zeitung" (Donnerstagausgabe), falls keine Koalitionsmehrheit zu Stande komme, werde "die Union voll handlungsfähig sein und innerhalb kurzer Frist einen Herausforderer oder eine Herausforderin benennen". Der CSU-Chef betonte allerdings, er gehe nicht von einem Bruch der rot-grünen Koalition aus.

Zu Gerüchten, Stoiber werde Kanzlerkandidat und Merkel solle den Fraktionsvorsitz im Bundestag übernehmen, sagte Goppel: "Nicht im Ansatz und ganz sicher nicht bei den Betroffenen gibt es solche Überlegungen."

Glos bekräftigte im Deutschlandfunk seine Auffassung, dass auch der frühere CDU-Chef Wolfgang Schäuble für ihn weiter als Kandidat in Frage komme: "Ich habe gesagt, Wolfgang Schäuble ist einer der denkbaren Kandidaten. Es gibt ja kein offizielles Bewerbungsverfahren und wir sind froh, dass Wolfgang Schäuble wieder in der ersten Reihe der Politik ist."

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wollte sich an der Kandidatendebatte nicht beteiligen. Die CDU habe immer gesagt, sie werde das zu gegebener Zeit klären, "und wenn es denn jetzt sein muss, dann klären wir es jetzt", sagte er im Berliner InfoRadio.(APA/AP)

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