Teure Korrespondenzen

15. November 2001, 14:40
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Handschriften von Vivaldi, Puschkin, Novalis hoch versteigert

Berlin - Ein Brief des italienischen Komponisten Antonio Vivaldi (1678-1741) ist in Berlin für 150.000 Mark (über eine Mill. S) versteigert worden. Das Autograph gehe an einen Privatsammler in Deutschland, teilte das Auktionshaus J.A. Stargardt am Donnerstag mit - zwei Tage, nachdem ebendort ein Brief des russischen Schriftstellers Alexander Puschkin (1799-1837) für 260.000 Mark (etwa 1,8 Mill. S) versteigert worden war.

Die Manuskripte sind Teil der knapp 500 Handschriften umfassenden Autographensammlung des Bankiers Max Warburg (1867-1946), die von dem Auktionshaus an zwei Tagen versteigert wurde.

Vivaldi, Liszt, Mendelssohn Bartholdy

In dem Brief aus dem Jahr 1737 bittet Vivaldi einen Adligen aus Ferrara, sich dafür einzusetzen, dass eine von ihm komponierte Oper in der Stadt aufgeführt werde.

Der Bischof Tommasso Ruffo hatte die Opernaufführung verboten, weil Vivaldi gegen seine Priesterpflichten verstoßen habe. Unter anderem soll Vivaldi ein Verhältnis zu einer Sängerin gehabt haben. Das prachtvolle Original gilt als wichtige historische Quelle zum Leben des Komponisten. Bisher sind nur 20 Briefe Vivaldis bekannt.

Bei der Auktion wurde ein Musikmanuskript des Komponisten Franz Liszt (1811-1886) für 110.000 Mark nach einem Katalogpreis von 60.000 Mark versteigert. Es handelt sich dabei um die Niederschrift der Anfangstakte von Liszts "Totentanz" für Klavier und Orchester. Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847) Manuskript von sechs Chorliedern kam für 140.000 Mark unter den Hammer. Die vier Doppelblätter waren zunächst für 100.000 Mark angeboten worden.

Puschkin-Brief , Novalis-"Monolog"

Ein Brief des russischen Schriftstellers Alexander Puschkin (1799-1837) ist in Berlin für 260.000 Mark (132.936 Euro/1,83 Mill. S) versteigert worden. Das Schreiben mit einem Schätzwert von 75.000 Mark enthält den ersten Teil von Puschkins Gedicht "Märchen von der roten Zarentochter und die sieben Recken" aus dem Jahr 1833.

Ein sprachphilosophischer "Monolog" des Dichters Novalis (1772- 1801) mit einem Katalogpreis von 60.000 Mark wurde für 80.000 Mark zugeschlagen. Die 1799 verfasste Handschrift galt bisher als nicht erhalten. Die Druckvorlage von Rainer Maria Rilkes (1875-1926) Gedicht "Herbsttage" wurde für 40.000 Mark versteigert (Schätzpreis 8.000 Mark), ein Brief Rilkes aus dem Jahr 1916 brachte 22.000 Mark.

Warburg, der einer traditionsreichen Bankiersfamilie in Hamburg entstammt, war neben seiner Banktätigkeit besonders sozial mäzenatisch tätig. Nach der Liquidation des Bankhauses durch das NS- Regime kehrte Warburg von einer USA-Reise nicht wieder nach Deutschland zurück. Er starb 1946 in New York. Die Sammlung wurde von Nachfahren der Familie jetzt zur Versteigerung gegeben. Versteigert werden rund 1.300 Positionen aus den Bereichen Literatur, Wissenschaft, bildende Kunst, Musik, Theater, Film und Geschichte. (APA/dpa)

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