Hauptverbands-Präsident äußert "große Skepsis"

14. November 2001, 14:01
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Herwig Frad fordert "saubere Diskussion" - Diskussion um "Gratis"-Impfplan voll entbrannt

Wien - Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger steht der am Dienstag beschlossenen Chipkartengebühr "mit großer Skepsis" gegenüber. Wie Präsident Herwig Frad in einer gemeinsamen Aussendung mit der Hauptverbands-Geschäftsführung betonte, sei zu befürchten, "dass ohne saubere Diskussion des Themas der Weg zurück in die Vergangenheit beschritten wird". In Wahrheit werde nur das Wort "Krankenscheingebühr" durch das Wort "Chipkartengebühr" ersetzt, die alte bürokratische Administration aber aufrecht gehalten.

Uneingeschränkt begrüßt wird vom Hauptverband das Vorhaben, künftig Gratisimpfungen anzubieten. Allerdings verweist man auch auf die entstehenden Kosten, die sich in der Gegend von einer halben Milliarde Schilling bewegen würden. Der Regierung sei bekannt, dass sich die soziale Krankenversicherung in einer schwierigen finanziellen Situation befinde. Der Bevölkerung zusätzliche Leistungen ohne finanzielle Bedeckung zu versprechen sei inakzeptabel.

Skeptisch in dieser Frage zeigte sich auch der Leitende ÖGB-Sekretär Richard Leutner. In einer Aussendung fordert er eine Klarstellung darüber, was unter den Gratisimpfungen zu verstehen ist: "Meint die Regierung mit 'gratis', dass der Impfstoff gratis ist oder dass die Impfung durch den Arzt gratis ist. Meint die Regierung damit, dass beides zusammen gratis ist, oder weiß die Regierung noch gar nicht, wovon sie eigentlich spricht", verlangt Leutner Aufklärung.

Immerhin koste derzeit der Influenza-Impfstoff in der Impf-Aktion der Apotheker und der Industrie bis Jahresende 110 Schilling, gebe es keine Aktion sogar 150 Schilling. Das Impfhonorar könne jeder Arzt selbst festlegen, dafür würden meist weitere 100 Schilling verrechnet, was zusammen mindestens 210 Schilling ausmache. Bei der FSME-Impfung koste der Impfstoff sogar 308 Schilling.

Als besonders problematisch sieht Hauptverbands-Präsident Frad an, dass einer der Zukunftsvorteile der Chipkarte, nämlich der Schutz der Privatsphäre der Versicherten verloren geht. Wenn man im Gesundheitswesen schon den Weg gehe, für die Inanspruchnahme von Leistungen Gebühren einzuheben, sei die einzig sinnvolle Möglichkeit die Einhebung vor Ort, wie dies seit Jahrzehnten reibungslos beispielsweise bei Apotheken und Bandagisten funktioniere. Vorgesehen ist, dass auch die Chipkarten-Gebühr zwischen Dienstgebern und Kassen abgerechnet wird.

Unklar ist dem Hauptverband, was sich bei den Vorsorgeuntersuchungen ändern soll. Immerhin hätten im Vorjahr 763.000 Österreicher gratis solch eine Untersuchung in Anspruch genommen: "Was sich hier ändern soll, ist mir nicht klar. Mit uns wurde auch darüber nicht gesprochen." Gestern hatte die Regierung verlautet, dass die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen ausgeweitet werden sollten.(APA)

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    Herwig Frad

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