Lufthansa: Ergebniseinbruch wegen Konjunkturflaute

15. November 2001, 17:35
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Börsengänge von Tochterfirmen auf Eis gelegt

Frankfurt/Main - Die Deutsche Lufthansa hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 2001 einen dramatischen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Nettogewinn sei um 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 65 Mill. Euro (894 Mill. S) gesunken, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Als Grund nannte Konzernchef Jürgen Weber neben der allgemeinen Konjunkturflaute vor allem die Terroranschläge in den USA. Bis dahin habe der Geschäftsverlauf voll den Erwartungen entsprochen. Für das Gesamtjahr 2001 zeigte sich der Lufthansa-Vorstand optimistisch, schwarze Zahlen schreiben zu können.

Operativen Verlust vermeiden

"Wenn alle unsere Maßnahmen greifen, werden wir 2001 einen operativen Verlust vermeiden", sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley. Die Lufthansa rechnet zudem damit, dass der Umsatz heuer um 1,2 Mrd. Euro geringer als bisher erwartet ausfallen werden, woraus sich eine Ergebnisminderung von rund 720 Euro errechnen lasse. Stelle man diesen Einbußen dem von der Lufthansa zuvor prognostizierten operativen Gewinn von 700 bis 750 Mill. Euro gegenüber, komme unter dem Strich für das Gesamtjahr 2001 eine schwarze Null heraus.

Operativer Cash-Flow auf 1,2 Milliarden Euro gesunken

Beim operativen Geschäft konnte die Lufthansa noch ein Plus von 290 Mill. Euro verbuchen. Auch dieses liegt aber deutlich unter den 794 Mill. Euro, die in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres erwirtschaftet wurden. Eine Ursache dafür waren deutlich höhere Treibstoffkosten. Für Kerosin gab die Kranichlinie 28,5 Prozent oder 278 Mill. Euro mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für die angespannte Lage sind laut Weber aber die Anschläge in den USA: "Lufthansa muss mit einem drastischen Nachfrageeinbruch bei gleichzeitig steigenden Kosten fertig werden." Allein im September kosteten die Terroranschläge die Lufthansa 180 Mill. Euro. Da die vorgelegten Zahlen trotz allem besser waren als von den Analysten erwartet, startete die Lufthansa-Aktie in Frankfurt einen kleinen Höhenflug. Sie legte bis zum Nachmittag um gut fünf Prozent auf 13,90 Euro (27,19 Mark) zu.

Kostensenkungsprogram - Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden

Wegen der Krise in der Luftfahrtbranche legte Weber ein drastisches Kostensenkungsprogramm auf. Derzeit seien bereits 43 Flugzeuge stillgelegt. Zudem liefen Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die Senkung der Personalkosten. Dabei sollten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, versicherte der Lufthansa-Chef. Vielmehr gehe es um den Abbau von Überstunden und Urlaub sowie Teizeitangebote an die Belegschaft. Zugleich kündigte Weber an, dass der Konzernvorstand bis auf weiteres auf zehn Prozent seiner Grundbezüge verzichte. Durch das Drehen an der Kostenschraube will die Firmenspitze verhindern, dass die Lufthansa im Gesamtjahr operative Verluste schreibt. Weber wandte sich erneut gegen staatliche Subventionen in der Luftfahrtbranche. Wettbewerbsverzerrungen müssten unbedingt vermieden werden.

Vorerst keine Börsengänge von Tochterfirmen

Die Deutsche Lufthansa hat vor dem Hintergrund der aktuellen Krise in der internationalen Luftfahrt sowie der anhaltend schwachen Aktienmärkte mögliche Börsengänge von Tochtergesellschaften bis auf weiteres auf Eis gelegt. "Wir haben derzeit auch nicht die geringste Absicht, uns von Anteile zu trennen", sagte Lufthansa Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley am Mittwoch in Frankfurt mit Blick auf mögliche Börsengänge von Tochterfirmen. Bei dem zu 50 Prozent zum Konzern gehörenden Reiseveranstalter Thomas Cook sei kein Börsengang geplant, und die Catering-Tochter Sky Chefs werde wohl zumindest in den kommenden zwei Jahren nicht am Markt verkauft. Auch habe sich die Lufthansa nicht am Bieterverfahren für die Swissair-IT-Tochter Atraxis beteiligt, sagte Kley weiter.

Papier noch nie so unterbewertet wie jetzt

Der Finanzchef bezeichnete den Kurs der Lufthansa AG als "fundamental unterbewertet". Zwar verfehle die Lufthansa in diesem Jahr ihr Ziel, den Wert für die Aktionäre zu steigern, räumte Kley ein. Dennoch sei das Papier der Fluglinie "noch nie so unterbewertet" gewesen. Die Lufthansa wolle ihren wertorientierten Kurs fortsetzen und sei sich daher sicher, dass auch der Kurs längerfristig wieder zulegen werde. "Bessere Einstiegskurse haben wir lange nicht gesehen", unterstrich Kley. Die Lufthansa-Aktie notierte am frühen Mittwochnachmittag fast sechs Prozent höher auf 13,97 Euro und erholte sich damit weiter von ihrem Einsturz nach den Anschlägen am 11. September, der den Titel auf fast acht Euro und damit den niedrigsten Stand seit Sommer 1994 geführt hatte. Die Lufthansa hatte zuvor über den Erwartungen liegende Quartalszahlen vorgelegt und zugleich angekündigt, in diesem Jahr trotz der Krise in der Luftfahrt ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen zu wollen. (APA/AFP/Reuters)

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