UNO ruft Nordallianz zu Beachtung der Menschenrechte auf

12. November 2001, 07:11
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Nach Fall von Mazar-i-Sharif neue Wege für Hilfstransporte

New York - Nach der Eroberung von Mazar-i-Sharif Afghanistans durch die Nordallianz hat die UNO die oppositionellen Truppenverbände zur Achtung der Menschenrechte in der nordafghanischen Stadt aufgerufen. In einer am Sonntag am Rande der UNO-Vollversammlung in New York verbreiteten Erklärung forderte die UNO-Menschenrechtsbeauftragte Mary Robinson die Nordallianz auf, die Rechte aller Zivilisten und ethnischen Minderheiten in Mazar-i-Sharif zu gewährleisten.

Der UNO-Afghanistan-Beauftragte Lakhdar Brahimi äußerte in einem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Joschka Fischer in New York nach Angaben aus der deutschen Delegation die Befürchtung, dass es im weiteren Verlauf des Krieges zu neuen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung kommen könnte. Solche Gewaltakte befürchtet er den Angaben zufolge nicht nur seitens der herrschenden Taliban-Miliz, sondern auch der Nordallianz.

Chancen für Hilfe

Die Eroberung von Mazar-i-Sharif bietet nach Einschätzung von UNO-Experten aber auch Chancen für eine erleichterte humanitäre Hilfe, da dadurch neue Transportwege eröffnet worden seien. Wie der UNO-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten, Kenzho Oshima, in einem Gespräch mit Fischer am Rande der Vollversammlung berichtete, bereiten die Vereinten Nationen die Einrichtung eines Arbeitsstabes in der afghanischen Stadt Termez an der Grenze zu Usbekistan vor, der den Transport von Hilfsgütern vorbereiten soll. 15.000 Tonnen Material würden bereitgehalten. Die Hilfsgüter sollten nicht nur per Lkw, sondern auch in Schiffen transportiert werden. Außerdem sei angesichts des bevorstehenden Winters die Entsendung von Schneepflügen geplant.

In den nord- und westafghanischen Provinzen Ghor, Badghis, Faryab und Sar-e-Pul ist nach einem UNO-Bericht die humanitäre Lage am dramatischsten. Wenn kein freier Zugang zu diesen Gebieten geschaffen werde, bestehe die Gefahr, dass dort 500.000 Afghanen ohne Nahrung blieben und den Winter nicht überlebten. Das UNO-Regionalbüro in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bereitet nach Angaben aus der deutschen Delegation in New York derzeit einen humanitären Aktionsplan für Afghanistan für die kommenden 30 Tage vor.

Insgesamt hat die Menge der Hilfsgütertransporte in den vergangenen Tagen jedoch schon deutlich zugenommen. Über 13.000 Tonnen wurden dem UNO-Bericht zufolge im November bereits in das Land geliefert. (APA)

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