Halb Österreich ist fremdenfeindlich

9. November 2001, 17:52
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Das ist eines der Ergebnisse einer Studie an der Innsbrucker Universität

Wien - In Sachen Fremdenfeindlichkeit zeigt Österreich das Bild einer in der Mitte gespaltenen Gesellschaft: Die eine Hälfte steht Ausländern freundlich bis gemäßigt gegenüber, die andere Hälfte ist fremdenfeindlich. 22 Prozent zeigen eine hohe und 26 Prozent sogar eine sehr hohe Fremdenfeindlichkeit, ergab eine Studie von Ass.Prof. Günther Rathner (Universität Innsbruck). Wichtigste Ursachen für Fremdenfeindlichkeit sind Autoritarismus, gefolgt von Antisemitismus. Außerdem zeigte die Studie: Fast jeder zehnte Österreicher ist rechtsextrem.

Dementsprechend wurde in den persönlichen Interviews mit 2.000 Österreichern zwischen 15 und 75 Jahren auch eine Spaltung der Gesellschaft hinsichtlich Autoritarismus ("tun, was verlangt wird" und auch "nach unten treten"), Antisemitismus und Rechtsextremismus festgestellt: Die Hälfte ist nicht autoritär, ein knappes Drittel mäßig, ein Viertel sehr stark autoritär. Fast die Hälfte ist nicht oder nur leicht antisemitisch, ein Drittel moderat - aber jeder fünfte Österreicher ist stark (14 Prozent) oder sehr stark (sechs Prozent) antisemitisch.

Wirtschaftliche Verunsicherung

Außerdem ist Fremdenfeindlichkeit verbunden mit - gestuft nach abnehmender Bedeutung - höherem Alter, großer persönlicher Verunsicherung, politischer Selbsteinstufung "eher rechts bis rechts", Pseudopatriotismus ("Österreich sind besser als die Bewohner anderer Länder"), Rechtsextremismus, geringer Schulbildung und rigidem Verhalten. Zu erwähnen ist aber auch die große wirtschaftliche Verunsicherung - sowie übersteigerter Nationalstolz und Revanchismus ("Südtirol sollte wieder zu Österreich kommen").

Entsprechend das Bild beim Rechtsextremismus, wo die Haltung zu Sätzen wie "Hitlers Fehler war der Zweite Weltkrieg, ansonsten waren die Nationalsozialisten vernünftige Leute" abgefragt wurde. Die Hälfte der Befragten ist eindeutig nicht rechtsextrem, ein knappes Viertel zeigt niedrigen Rechtsextremismus. Aber fast jeder zehnte Österreicher (sechs Prozent hoch, drei Prozent sehr hoch) ist als rechtsextrem einzustufen. Außerdem gibt es 17 Prozent, die sich "neutral, unentschieden" zeigen - und damit zum Rekrutierungspotenzial der Rechtsextremen gehören.

Das Muster von Fremdenfeindlichkeit, Autoritarismus und Antisemitismus ist laut der Studie in größeren Städten weniger häufig anzutreffen. Betrachtet nach der bevorzugten politischen Partei, zeigten ÖVP- und SPÖ-Wähler so gut wie keine Unterschiede, sie zeigten auf vielen Skalen die gleichen Werte. FPÖ-nahe Befragten hatten auf allen Skalen die höchsten Werte, Grün-Sympathisanten zeigten die geringsten Werte bei Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Autoritarismus. Wenig Gewicht haben laut der Studie Beruf, Einkommen, Geschlecht, politische Richtung der Eltern und politische Informiertheit. (APA)

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