Softwareindustrie: Bei Spitzenkräften weiterhin Fachkräftemangel

9. November 2001, 14:16
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In Österreich fehlen 15.000 Spezialisten - Lücke im High-End-Bereich

Wien - Österreich leidet weiterhin unter einem Fachkräftemangel im EDV-Bereich, allerdings nur im Spitzenbereich. Dort fehlten derzeit rund 15.000 Kräfte, betont der Präsident des Verbands Österreichischer Software Industrie (VÖSI) und Beko-Vorstand Peter Kotauczek am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz. "Wir geben ein klares Bekenntnis zur Elite ab. Mit den zusätzlichen Spitzenkräften wird Österreich zu einer internationalen Software-Hochburg aufsteigen."

Finanzierung der Weiterbildung stockt

Derzeit gibt es laut Kotauczek etwa 30.000 IT-Spitzenleute in Österreich. Dabei gebe es allerdings schwere Mängel in der Finanzierung der Weiterbildung, sowohl auf Firmenseite als auch im staatlichen Bildungsbereich, um allein diese Zahl zu halten. Pro Fachkraft benötige man laut Kotauczek jährlich 50.000 bis 60.000 S "Wissensinput" - etwa für Fortbildung und Literatur. Der Beko-Vorstand warnte dabei allerdings vor dem Gießkannenprinzip bei der Verteilung von zusätzlichen Mitteln für die Weiterbildung. Bei den Durchschnitts-EDVlern gebe es derzeit schon fast zu viele. Durch Maßnahmen wie die Forcierung des "Computerführerscheins" würde lediglich die "Breite" erweitert, so Kotauczek.

Abwärtsspirale

Die Folge des Mangels an Spitzenkräften sei, dass nur wenige Softwarehäuser ihre Hauptquartiere in Österreich ansiedelten. Das habe zur Folge, dass es sehr wenige High-End-Projekte in Österreich gebe. Dies wiederum löse eine Abwärtsspirale aus, denn mit fehlenden Projekten sinke auch der Bedarf an Spitzenkräften. Österreich fliege damit in puncto Qualität aus dem Software-Spitzenfeld, warnt der Beko-Chef.

Rating-System

Als ein Mittel zur Qualitätssicherung verlangt der VÖSI die Einrichtung eines Rating-Systems für Fachkräfte. Spitzenkräfte sollen dabei nach objektiven Kriterien bewertet werden. Allerdings spricht sich der Verband dabei gegen "halbstaatliche Zertifikate" durch Ämter oder "Anhängsel" von Wirtschafts- oder Arbeiterkammer aus. Stattdessen solle unter Einbindung von Investoren eine Aktiengesellschaft gegründet werden, an der sich letztendlich auch die Sozialpartner beteiligen könnten.

45 Milliarden Schilling Umsatz

Die österreichische Softwareindustrie wird im heurigen Jahr rund 45 Mrd. S (3,27 Mrd. Euro) umsetzen, nach 42 Mrd. S Umsatz im Vorjahr und etwa 37 Mrd. S im Jahr 1999. Die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich wird sich dabei heuer um 10.000 auf etwas mehr als 150.000 Mitarbeiter erhöhen. Dies geht aus den Zahlen des Verbands Österreichischer Software Industrie (VÖSI) hervor, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurden. Dem Verband gehören mittlerweile 49 Mitglieder an, darunter alle namhaften Softwarekonzerne, die in Österreich aktiv sind. (APA)

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