Obermeiers Ablöse hat sich bereits abgezeichnet

8. November 2001, 17:38
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Schwierigkeiten in den USA machten den seit Juli 1999 amtierenden Vorstandschef zu schaffen

Wien - Die vorzeitige Ablöse von RHI-Chef Georg Obermeier (59) war in den letzten Tagen bereits Gegenstand von Spekulationen. Grund waren die Schwierigkeiten, die sich RHI in den USA mit der Übernahme des Konkurrenten Harbison Walker eingehandelt hatte. Auf der einen Seite stand ein Schuldenstand von mehr als 12 Mrd. S (880 Mill. Euro), auf der anderen Seite konnte das operative Feuerfestgeschäft am darniederliegenden US-Stahlmarkt den von Obermeier stereotyp verkündeten Turnaround nicht manifestieren. Aus einem internen Konzept, das an die Öffentlichkeit gelangt war, wurde weiters ersichtlich, dass mit dem Harbison-Walker-Kauf mit erworbene Altlasten (Schadenersatzansprüche von Asbest-Geschädigten) den Rahmen der durch Versicherungen gedeckten möglichen Schadenersatzansprüche noch übersteigen könnten.

Obermeier war vor seinem Eintritt bei RHI Vorstandsvorsitzender beim deutschen Mischkonzern VIAG, einem RHI-Großaktionär, wo er mit 1.7.1998 nach rund dreijähriger Tätigkeit vorzeitig abgelöst wurde. Als Grund wurden damals Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Führung des Konzerns genannt.

Turbulenzen vor Bestellung

Im März 1999 wurde Obermeier mit Wirkung vom 1.7.1999 zum neuen RHI-Vorstandsvorsitzenden ernannt. Er folgte dem heutigen Aufsichtsratspräsidenten Walter Ressler nach. Obermeiers Bestellung waren Turbulenzen vorangegangen, denn ursprünglich hatte Ressler zu seinem Nachfolger das bisherige Vorstandsmitglied Günther Mörtl bestimmt. Mörtl trat jedoch die Funktion als RHI-Chef nie an, sondern schied aufgrund verfehlter Ergebnisziele im Jänner 1999 aus. Mörtl trat dann in den Vorstand der sanierungsbedürftigen Binder Waagner-Biro des damaligen Auricon-Konzerns von Herbert Liaunig ein.

Fokus auf Expansion

Bei einer kurzfristig einberufenen Vorstellungspressekonferenz Ende März 1999 hatte Obermeier erklärt, dass für ihn Expansion an oberster Stelle stehe und kündigte Zukäufe und Kooperationen an. Ende 1999 tätigte Obermeier den Milliarden-Coup mit dem Kauf des börsenotierten US-Mischkonzerns GIT (Global Industries Technologies) und dessen Feuerfestgeschäft Harbison Walker und baute für RHI damit die Weltmarktposition im Feuerfestgeschäft - hitzefeste Magnesit-Auskleidungen für Brennöfen im Stahl-, Glas- und Zementsektor - aus. Der Deal wurde möglich, als ein US Stahlkonzern als Bieterkonkurrenz vorzeitig abgesprungen war und RHI die komplizierte Hürde der Prüfungen durch die Federal Trade Commission endlich geschafft hatte.

Den Deal finanzierte RHI über eine Kapitalerhöhung aus der Ausgabe junger Aktien im Oktober 1999, die rund 2 Mrd. S einspielte sowie über Bankkredite in Höhe von rund 6 Mrd. S.

Bankschulden

Im Frühjahr 2001 standen bei RHI Bankschulden in Höhe von 880 Mill. Euro (12,2 Mrd. S) zu Buche, die Eigenkapitalrendite war Ende 2000 auf 17 Prozent abgesunken. Das operative Ergebnis (EBIT) 2000 lag mit 131,3 Mill. Euro unter den Erwartungen von 145 Mill. Euro. Das obwohl RHI zur Ergebnisstärkung schon die Sparte Isolieren (über ein Management-buy-out) und den Anteil am Handybetreiber One abgestoßen hatte, was das Ergebnis um a.o. Erträge von 48,4 Mill. Euro auffettete.

Meinungsstreit

Zu einem Meinungsstreit innerhalb RHI war es heuer offenbar auch bezüglich eines Verkaufs des Dämmstoffherstellers Heraklith gekommen, der von Obermeier öfter angekündigt wurde, dessen Verhandlungen sich aber in die Länge zogen. Eine Strategie zielte dahin, RHI (das "H" im Firmennahmen steht für Heraklith, "R" für Radex und "I" für Industries) als reinen Feuerfestkonzern zu positionieren.

Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag sollen unterschiedliche Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik der RHI dazu geführt haben, dass der Vorstandsvertrag mit Obermeier einvernehmlich gelöst wurde. (APA)

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