Eta ermordete Richter im Baskenland

7. November 2001, 18:59
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Attentäter schossen dem Opfer vor den Augen der Familie zweimal in den Kopf

Im zweiten Anlauf innerhalb von 24 Stunden haben Eta-Terroristen ihr Vorhaben verwirklicht, einen hohen Beamten - im Sprachgebrauch der Untergrundorganisation "Repräsentanten des Unterdrückerstaates" - zu ermorden. Einen Tag nach dem missglückten Anschlag auf einen Sektionschef des Wissenschaftsministeriums in Madrid gingen die maskierten Attentäter in Getxo bei Bilbao auf Nummer sicher: Sie stoppten das Fahrzeug von José María Lidon Corbi, der in Begleitung seiner Frau und eines Sohnes aus der Tiefgarage in Richtung Arbeitsplatz unterwegs war, und gaben aus nächster Nähe zwei Schüsse auf den Kopf des Richters ab.

Mit dem Tod des 50-jährigen Juristen, der neben seiner Tätigkeit am Provinzgericht auch an der Universität von Bilbao unterrichtete, ist die Zahl der Opfer seit dem Ende eines von der Eta 1999 aufgekündigten Waffenstillstands auf 36 angestiegen.

Obwohl Innenminister Mariano Rajoy einen Zusammenhang zwischen den beiden Attentaten abstritt, "weil es keine Logik in den Aktionen einer irrational agierenden Bande gibt", gilt der Mord an dem aus Katalonien stammenden Juristen als Racheakt für die tags zuvor erlittene Schlappe. Unmittelbar nach der Explosion der Autobombe in einer belebten Straße Madrids, die der Sektionschef und sein Chauffeur unverletzt überstanden hatten, nahm ein Passant die Verfolgung eines verdächtigen Paares auf, das nach kurzer Verfolgung tatsächlich von der Polizei gestellt und verhaftet wurde.

Trotz der Absichtserklärung aller EU-Regierungschefs, als Antwort auf die Ereignisse vom 11. September Terroristen jeglicher Herkunft über die Landesgrenzen hinweg zu verfolgen und ihre Auslieferung zu erleichtern, ist der harte Kern der Eta zum Weitermachen entschlossen. Nachdem mehrere Anschläge misslungen waren und der Madrider Anschlag trotz zahlreicher Betroffener sein Ziel verfehlt hatte, wählten die Terroristen Mittwochfrüh ein "leichtes" Opfer: Richter Lidon, der 1997 einen Eta-Sympathisanten wegen Körperverletzung mittels Molotowcocktails zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt hatte und deshalb als gefährdet galt, war ohne Leibwächter unterwegs. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.11.2001)

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El Pais
Elmundo

Von STANDARD-Korrespondent Josef Manola aus Madrid

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