ARD/ZDF zittern mit DFB-Team mit

6. November 2001, 12:44
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WM ohne Deutschland wäre ein teurer TV-Flop

Bei ARD und ZDF hat das große Zittern begonnen. Die Verantwortlichen mit ARD-Chef Fritz Pleitgen an der Spitze drücken der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in den beiden WM-Playoffspielen gegen die Ukraine (10. und 14. November) beide Daumen. Ohne das Völler-Team droht den TV-Sendern bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan ein teurer Quoten-Flop. ARD/ZDF müssen auch bei einem Scheitern des DFB-Teams den kompletten Rechtepreis von 225 Millionen Mark (115,0 Mill. Euro/1,58 Mrd. S) an die Kirch-Gruppe zahlen.

Keine Klausel für ARD/ZDF

Die Verhandlungsführer in Südkorea waren da clever. Als sie vor kurzem die TV-Rechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 von Kirch erwarben, bauten sie eine Klausel ein: Der Kaufpreis reduziert sich demnach für die Fernsehsender KBS, MBC und SBS, wenn die südkoreanische Auswahl sich nicht für die WM 2006 in Deutschland qualifiziert. Im WM-Vertrag von ARD/ZDF fehlt eine entsprechende Klausel für 2002.

Die WM-Rechte sind ohnehin nicht ganz billig. Für die 225 Millionen Mark können ARD/ZDF maximal nur 25 der 64 WM-Spiele live übertragen. Zu einem Zeitpunkt, als die deutsche Mannschaft in der WM-Qualifikationsgruppe 9 klar führte, dachte offensichtlich niemand an ein Scheitern. "Zu dem Zeitpunkt hat doch jeder gedacht, die schaffen das", sagte der an den Verhandlungen beteiligte Pleitgen jüngst dem "Handelsblatt".

Traurige Erkenntnis

Im Gegensatz zur Bewertung der Vertrages ist die Rechtslage unstrittig: "Wir haben einen Vertrag geschlossen, unabhängig von den Teams, die teilnehmen", heißt es bei der Kirch-Gruppe klipp und klar. Und auch bei den öffentlichen-rechtlichen hat sich diese traurige Erkenntnis durchgesetzt.

Mitte Oktober war bei der ARD noch von einer "neuen Preisgestaltung" die Rede, falls die DFB-Auswahl scheitern sollte. Inzwischen hat ARD-Chef Pleitgen aber klargestellt, dass an dem Kontrakt nicht mehr zu rütteln sei. Denkbar scheint derzeit höchstens ein kleiner Rabatt bei den kommenden Verhandlungen für die WM 2006.

Angesichts der Übertragungszeiten in den Morgenstunden und am Vormittag ist die Quoten-Erwartung für die WM ohnehin nicht sehr groß. Ohne das deutsche Team drohen aber reihenweise Quoten-Flops, wenn Teams wie China, Südkorea, Kamerun, Senegal oder Tunesien spielen. Damit würde die WM für die Gebührenzahler noch teurer. Schon mit deutscher Beteiligung sind die Kosten über Werbung und Sponsoring nicht zu refinanzieren. Ohne DFB-Auswahl drohen aber auch diese Einnahmen zu sinken.

Das große "Daumen drücken"

Gemeinsam mit ARD und ZDF dürften auch viele im Hause Kirch dem deutschen Team die Daumen drücken - aus wirtschaftlichen Gründen. Denn auch die abendliche WM-Zusammenfassung des Kirch-Senders SAT.1 um 21.15 Uhr und die Live-Übertragungen aller WM-Spiele im Kirch-Sender Premiere World werden ohne Berichte von der deutschen Mannschaft nicht attraktiver. (APA)

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