Gründerenkel von Ford steuert zweitgrößte Autofirma der Welt

2. November 2001, 14:43
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Nach einer Krisenserie geht der jetztige Ford-Chef Jacques Nasser vom Konzern

Dearborn - Der neue Ford-Chef William Clay ("Bill") Ford jr. (44) ist ein überzeugter Umweltschützer, der sich bereits seit längerem zum Ziel gesetzt hat, sein Unternehmen an der Umweltschutzfront ganz nach vorne zu bringen. Jetzt ist der Vertreter der Ford-Familie alleiniger Konzernlenker geworden. Es ist das erste Mal, seit sein Onkel Henry Ford II im Jahr 1979 die Führung abgab, dass ein Mitglied der Ford-Familie an die Spitze des traditionsreichen Unternehmens gekommen ist.

Bill Ford ist ein Urenkel des Firmengründers Henry Ford. Seit 1995 hat er sich mehr und mehr Einfluss im Ford-Konzern geschaffen. Ford hatte zuvor andere jüngere Mitglieder des Familien-Clans im Rennen um die spätere Führung überholt. Die Familie kontrolliert noch immer rund 40 Prozent der stimmberechtigten Ford-Aktien.

Seit Anfang 1999 ist Ford Leiter des Verwaltungsrates. Im heurigen Juli griff er mit der Bildung des "Büros des Verwaltungsratsvorsitzenden und Unternehmenschefs" direkt in die Geschäftsführung des jetzt abgelösten Jacques Nasser ein. Bill Ford war 1995 Leiter des Finanzausschusses im Verwaltungsrat geworden und vertrat damit erstmals die Familieninteressen im Ford-Aufsichtsgremium

Zuvor hatte Ford jahrelang in gut einem Dutzend verschiedener Management-Positionen in dem Unternehmen gearbeitet. Ford ist verheiratet, hat vier Kinder und eine Managementausbildung in Princeton und am Massachusetts Institute of Technology hinter sich. Seine Freizeitliebe gilt dem Football. Er ist Vizevorsitzender des Football-Proficlubs Detroit Lions, der seiner Familie gehört.

Dem an der Spitze von Ford abgelösten Jacques Nasser wurde eine Pannenserie und die sich verschlechternde US-Konjunktur zum Verhängnis. Noch vor kurzem schien der Konzern auf bestem Wege, den weltweiten Branchenführer General Motors auf den zweiten Platz zu verdrängen. Riesige Gewinne von insgesamt 41 Mrd. Dollar (45,5 Euro/672 Mrd. S) zwischen 1997 und 2000, eine gigantische Kriegskasse und steigende Marktanteile in Nordamerika ließen dies in den Bereich des Möglichen rücken. Die beiden Rückrufaktionen von insgesamt 19,5 Mio. Firestone-Reifen, die fast alle auf dem Ford-Geländewagen "Explorer" installiert waren, ließen Zweifel an der Sicherheit des mit Abstand lukrativsten nordamerikanischen Ford-Modells aufkommen. Die Rückrufe haben Ford vor Steuern drei Mrd. Dollar gekostet. Es gab auch andere kostspielige Rückrufaktionen.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres erlitt Ford in den USA einen Absatzrückgang um elf Prozent. Das Unternehmen verbuchte in dieser Zeit rote Zahlen von 385 Mio. Dollar gegenüber einem Gewinn von 4,3 Mrd. Dollar im Vorjahr. Die Aktionäre waren sauer, das Schicksal von Nasser besiegelt. (red, DerStandard, Printausgabe, 2.11.2001)

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