Europa-Investmentfonds mit starken Rückschlägen

28. September 2001, 17:06
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Fondsexperten: Boden sehr nahe - Erholungspotenzial größer als in den USA

Wien - Investmentfonds mit einem Schwerpunkt auf europäischen Aktien mussten heuer bis dato deutliche Kursverluste verbuchen. Bereits Ende August lagen die entsprechenden Fondsprodukte großer Investmenthäuser laut aktueller Statistik der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften mehr als 20 Prozent im Minus, in Folge der US-Terrorserie wurden die Verluste weiter ausgeweitet. Fondsexperten orten jedoch nun nach der Talfahrt einen sich abzeichnenden günstigen Zeitpunkt für Neueinstiege.

"Der Boden ist sicher extrem nahe", gibt sich der Kurt Kotzegger, Fondsmanager der Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft (KAG) zuversichtlich. Die deutlichen Kursverluste der letzten Woche bei hohen Volumina durch alle Branchen und Titel hätten aus technischer Sicht eine Art von Verkaufshöhepunkt signalisiert.

Noch sei aber keine Euphorie an den Märkten auszumachen. Kotzegger erwartet vor allem von weiteren Ergebnisprognoserevisionen von Analysten und Unternehmen neue negative Impulse im Jahresverlauf. Die Aktienmärkte würden zwar bereits sehr hohe Risikoprämien aufweisen, angesichts der erwarteten Verzögerung des US-Wirtschaftsaufschwungs in Folge der Terrorserie seien diese Risikoprämien aber gerechtfertigt.

Erholungspotenzial in Europa größer

Dabei seien die Aussichten für die europäischen Börsen durchwegs besser als für die US-Märkte. In den europäischen Börsen sei bereits eine Rezession eingepreist, zudem werden für Europa für das nächste Jahr bessere Wachstumszahlen als für die USA erwartet. Schließlich hätten die europäischen Börsen in den letzten Monaten deutlich stärker nachgegeben als die US-Märkte, damit ist auch das Erholungspotenzial größer. Bei den stark geprügelten europäischen Telekombetreibern seien nun bereits viele negative Nachrichten bekannt und eingepreist. Bereits jetzt seien Kapitalflüsse von den US-Börsen in die Europäischen Märkte zu beobachten. "Wir sehen schon Kurse zum kaufen", gibt sich Kotzegger für die europäischen Börsen zuversichtlich.

Jahresverluste von mehr als 20 Prozent

Auch die Fondsprodukte heimischer Investmenthäuser mussten heuer deutlich Federn lassen und notieren nun auf deutlich günstigeren Niveaus. So weist der "Eurostock" der Erste Bank-Fondstochter Sparinvest per Ende August 2001 eine negative Jahresperformance von 28,32 Prozent auf. Der Fonds orientiert sich am Dow Jones-Stoxx-50. Unter den größten Positionen des Fonds fanden sich im August BP Amoco und GlaxoSmithKline.

Jahresverluste von mehr als 20 Prozent wiesen auch die beiden Europa-Produkte der Bank Austria-Fondstochter Capital Invest auf. Der "Europe Stock" der Capital Invest wies per Ende August ein Jahresminus von 29,09 Prozent auf, der "Select Europe Stock" büßte im Jahresvergleich 24,41 Prozent ein. Etwas besser halten konnte sich der "Europa Aktien" der Raiffeisen KAG mit einem Minus von 20,88 Prozent. Kotzegger führt die etwas bessere Performance auf den aktiven Stock-Picking-Ansatz des vom Raiffeisen KAG-Kooperationspartner Capital International gemanagten Fonds zurück. Die derzeitige Phase starker Bewertungsdivergenzen innerhalb der Branchen sei das optimale Umfeld für einzeltitelorientiertes Stock Picking, so der Experte. (APA)

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