Angst um die Lebensgewohnheiten und um den Arbeitsplatz

19. September 2001, 14:20
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Bis zu 350 Telefonate täglich langen im Vorfeld der Urabstimmung beim ÖGB ein

Wien - Die Sorge um den Arbeitsplatz, um den gewohnten sozialen Frieden im Land, aber auch um Alltäglichkeiten, wie den Waldspaziergang, das Wachzimmer ums Eck' und das billige Glas Wasser, bewegt die Österreicher. Das geht zumindest aus den rund 350 Anrufen hervor, die täglich im ÖGB im Vorfeld der Urabstimmung einlangen. "Besonders interessant ist, dass die Gewerkschaftsmitglieder die Garantie wollen, dass ihr Stimmzettel geheim behandelt wird. Sichtlich spielt hier Sorge um den Arbeitsplatz mit", erklärte Roswitha Bachner, Leitende Sekretärin im ÖGB, am Mittwoch der APA.

Sieben Fragen stellt der ÖGB seinen Mitgliedern auf dem Stimmzettel zur Urabstimmung vom 24. September bis 15. Oktober. "No-na"-Fragen, war im Vorfeld kritisiert worden, um Sozialpartnerschaft, Pflichtversicherung und Privatisierungen. "Keineswegs No-na-Fragen, sondern topaktuell, stellt sich jetzt heraus. Diese Themen bewegen die Menschen, die meisten Anrufer haben bisher Angst um den Fortbestand der Sozialpartnerschaft ausgedrückt", betonte Bachner.

Sozialer Friede gefährdet

Auch im ÖGB war man von diese Priorität überrascht. Bachner erklärt sie damit, dass es wohl nicht um konkrete Maßnahmen gehe, sondern vielmehr um das Gefühl, in Österreich habe bisher sozialer Friede geherrscht und damit war man zufrieden. "Und diesen Frieden sehen die Leute auf einmal gefährdet". Thema Zwei der bisherigen Anrufe war der befürchtete "Ausverkauf" öffentlichen Eigentums. "Auch da merkt man deutlich, wie wichtig plötzlich Alltagsgewohnheiten sind. Wald, Wasser, der Strom, auch die gewohnte Pflichtversicherung. Man will sich nichts wegnehmen lassen", erläuterte Bachner.

Besonders in großen Firmen herrsche auch Angst, die Firmenleitung könnte von der Meinung ihrer Mitarbeiter Wind bekommen - Frage sieben fragt schließlich nach der Bereitschaft zu Kampfmaßnahmen. "Keine Sorge", beruhigt Bachner. Die Auswertung werde aus dem Grund der absoluten Geheimhaltung nicht im ÖGB, sondern außer Haus, vom Ifes-Institut, vollkommen anonym vorgenommen.

Freiwillige im Dienst der Urabstimmung

Viele Prominente haben sich bereits in den Dienst der Urabstimmung gestellt, darunter die Schauspieler Fritz Muliar, Marika Lichter, Harald Krassnitzer und Adi Hirschal. (APA)

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    foto: oegb
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