Panorama einer Kulturhauptstadt Europas

17. September 2001, 03:10
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Rotterdam ist ein Spielplatz moderner Architektur. Und besticht mit seinem kulturellen Programm

Sicher: Die Kunsthal von Rem Koolhaas ist auch ohne Ausstellung einen Besuch wert. Und eine Rundfahrt durch den gigantischen Container-Hafen gehört einfach dazu. Ansonsten aber gab es bisher kaum Gründe, nach Rotterdam zu reisen. Denn die niederländische Industriestadt, 1940 von den Deutschen niedergebombt, ist eher spröde. Die Stadtplaner realisierten hier Ende der 40er-Jahre die erste Fußgängerzone Europas. Nach gewagten Konzepten, die bereits in der Schublade lagen.

Doch Anfang der 90er-Jahre wurde eine neue Brücke über die Maas geschlagen, die, von Ben van Berkel konstruiert, zum Wahrzeichen Rotterdams werden sollte. Und so konnte jenseits des mächtigen Flusses, auf dem Kop van Zuid, ein neues Zentrum entstehen, für das Norman Foster nicht nur den Masterplan entwickelte: Eines der Hochhäuser, ein Twin-Tower, trägt seine Handschrift. Gleich daneben steht das eben eröffnete Luxor-Theater und Renzo Pianos KPN-Gebäude: Tausende grüner Lichtpunkte machen die Fassade zum weithin sichtbaren Billboard.

Dazwischen liegen alte Abfertigungshallen, die ehemalige Zentrale der legendären Holland-Amerika-Linie, liebevoll umgestaltet zum Hotel New York, und ein Stahlbetonkomplex aus den 30er-Jahren, Las Palmas genannt, der nun als Ausstellungsort dient. Bis 2. 12. ist dort Interbellum zu sehen, eine facettenreiche Retrospektive auf die Zwischenkriegszeit in Rotterdam. Aber nicht nur in dieser Schau setzt sich die Kulturhauptstadt 2001 mit der eigenen Geschichte auseinander: In der Kunsthal wurde kürzlich Panorama Rotterdam mit Ansichten von Kandinsky, Duchamp, Schwitters und anderen eröffnet (bis 6. 1. 2002).

Zu den Höhepunkten zählt auch das Gergiev Festival (bis 22. 9.), bei dem der Dirigent alle "Kriegssymphonien" von Dmitri Schostakowisch zur Aufführung bringt, das Theatertreffen De (internationale) Keuze (bis 26. 9., u. a. mit Jan Fabre) und die Hieronymus-Bosch-Ausstellung im Museum Boijmans Van Beuningen (bis 11. 11.). Derart viele Werke dieses grandiosen Bilderfinders wird man lange nicht mehr vereint sehen können: ein Grund mehr, nach Rotterdam zu reisen.

von Thomas Trenkler

Info: rotterdam2001.nl
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