Gewalt gilt als männlich

13. September 2001, 13:14
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Theorien zur Aggressivität reichen bis in die geschlechtsspezifische Medizin hinein

Wien - Philosophie, Friedensforschung, Psychologie, Konfliktmanagement - die Liste der Fachgebiete, die Erklärungsmodelle für die Gewalt liefern können, ist im Grunde endlos lang. Was oft untergeht: Gewalt sei zumeist "männlich", so neuere Forschungen. Diese gehen bis in die geschlechtsspezifische Medizin hinein. Mit dem Thema wird sich auch der "First World Congress for Men's Health" (2. bis 4. November) in Wien beschäftigen. Tagungspräsident Siegfried Meryn: "Die 'Männergesundheits'-Forschung kann da völlig neue Konzepte liefern."

Hierarchie, Machtergreifung, Besitztum

Männer sterben früher als Frauen, Männer begehen mehr kriminelle Delikte, männliches Denken sei in diesem Zusammenhang einfach "anders". Die Theorie des Konstanzer Fachmannes Rolf-Dieter Hesch: Die evolutionäre Entwicklung des Mannes verlaufe seit urdenklichen Zeiten in Richtung Hierarchie, Machtergreifung, Besitztum.

"Der Mann setzt bei der gesellschaftlichen Gestaltung auf die Bildung von Hierarchien, während die Frau auf Kommunikation setzt. (...) Das männliche Gehirn neigt in Konfliktsituationen zu Unterdrückung, das weibliche auf Caritas. Der Mann ist bereit, wenn Rangordnung und Regeln verletzt werden, zur Kriminalität zu greifen und er kann dabei eine Ethik begründen, die ihm sozusagen 'guten Gewissens' das Töten erlaubt, also die normative Ethik. Die Frau neigt weniger zur Kriminalität, sie sucht Sozialität, das heißt die Aussöhnung der Gesellschaft. Frauen handeln nicht nach ethischen Wertesystemen, Frauen handeln moralisch", schrieb Hesch.

"Männlichen Definition der Welt"

Wenn Attentäter zumeist Männer sind, was steckt dahinter? Laut Hesch führt das Geschlechtshormon Testosteron zu strukturellen Änderungen im Gehirn. Im "Mandelkern" des Gehirns würden Signale vom Stirnhirn (Ratio) in Emotionen umgesetzt. Und bei gewaltbereiten Männern sei genau dieses Zentrum kleiner als bei friedlichen.

Hesch: "Es gibt also nicht nur genetische, hormonale und anatomische Differenzen zwischen gewalttätigen und nicht gewalttätigen Männern. Es lässt sich auch zeigen, dass das androgengeprägte Gehirn entsprechend seiner eigenen, eben der männlichen Definition der Welt, die ihm gestellten Aufgaben völlig anders löst als das Weibliche - nämlich ohne Emotionen und ohne Rücksicht auf andere Personen."

"Geschlecht macht einen Unterschied"

Siegfried Meryn, Präsident des kommenden Weltkongresses: "Das Geschlecht macht einen Unterschied. In Wissenschaft und Gesellschaft wird das als Hintergrund vielfältig noch zu wenig beachtet." (APA)

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    Die rot verseilte Herkules Statue wurde von der Künstlerin Anna Staffel gestaltet.
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