Die kalte Schulter des Intendanten

31. August 2001, 19:15
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Das renommierte "Zeitfluss"-Festival nach der Trennung von den Salzburger Festspielen

Salzburg - Nachdem die ersten und zugleich letzten Gespräche mit dem neuen Chef der Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, im November 2000 stattgefunden hatten und dann eine Zeit der beredten Stille folgte, setzte sich bei den Festivalmachern von Zeitfluss bereits das Gefühl durch, man wolle sie loswerden.

Nun haben Markus Hinterhäuser und Tomas Zierhofer-Kin aus der Presse erfahren, dass sie richtig lagen. Der neue Salzburger Herr kündigte bei seiner ersten Programm-Pressekonferenz die Kooperation mit Zeitfluss auf - er möchte selbst eine Programmleiste unter dem Titel Salzburger Passagen veranstalten, die sich dem Experimentellen widmen soll.

Schon allein die Vorgangsweise ist dazu angetan, weitere Gespräche unmöglich zu machen. "Mit jemandem, der einem auf diese Weise die Zusammenarbeit aufkündigt, will man eigentlich nicht mehr reden. Das ist tiefstes Provinzniveau. Wenn der Herr Ruzicka klar gesagt hätte: ,Jungs, ich muss da selbst was Neues machen' - das wäre in Ordnung gewesen. Aber so?", meint Tomas Zierhofer-Kin.

Damit verlieren die Salzburg Festspiele eine der international beachtetsten attraktiven Programmsäulen, die während der Ära Mortier/ Landesmann wesentlich zum Image des Festivals als Stätte auch des Zeitgenössischen beigetragen hat. Stadt, Land und Bund unterstützten Zeitfluss mit 3,3 Millionen Schilling. 1,5 Millionen kamen von den Festspielen selbst, was übrigens den Bund störte, da es sich dabei um eine Doppelsubvention gehandelt habe.

Ein Gegenfestival

Wenn es vom Urlaub zurückkommt, wird das Duo überlegen, wie es weitergehen soll. Es gibt attraktive Angebote aus Deutschland, aber sie seien noch nicht spruchreif. Es ist übrigens nicht Gerard Mortier mit seiner Ruhr-Triennale: "Er hat uns eingeladen, damit wir uns die Räume dort ansehen - mehr ist nicht", so Zierhofer-Kin. Auch gebe es die Möglichkeit, der Salzburger Kulturpolitik ein echtes Gegenfestival zu Salzburg anzubieten.

"Da stehen die Chancen aber wohl eher schlecht, denn man hat uns auch bisher nicht sonderlich geliebt. Die FPÖ hat versucht, uns fertig zu machen. Nur die Grünen waren noch irgendwie für uns. Ob da was passiert, ist nicht unsere Entscheidung." Wien ist auch eine Möglichkeit. Dort würde das Duo bei den Wiener Festwochen nicht als Zeitfluss auftreten, sondern einfach unter eigenem Namen eine Musiktheater-Schiene erarbeiten, "die sich abseits des normalen Opernbetriebs auch anderen Kulturkreisen eröffnet".

Hans Landesmann, neuer Musikchef der Festwochen, lobt Zeitfluss und bestätigt, dass er die Festivalmacher engagieren möchte: "Zeitfluss war für Salzburg, für die Festspiele wahnsinnig wichtig. Da passierten Dinge, die aus verschiedenen Gründen, auch aus politischen, bei den Festspielen nicht möglich waren. Vor allem wurde ein Publikum angesprochen, das nicht zu den normalen Festspielbesuchern gehört. Es gab eine schöne Synergie. Wir sind im Gespräch, ich habe ihnen vorgeschlagen, einen Teil ihrer Aktivitäten bei den Festwochen durchführen. Ich schlug ihnen vor, ein Musiktheater-Labor zu machen, bei dem vor dem Publikum eine Oper erarbeitet wird." Das soll bereits bei den kommenden Festwochen 2002 passieren.
(tos - DER STANDARD, Print, 1.09.2001))

Ljubisa Tosic

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