Ermittlungen gegen 16 italienische Polizisten eingeleitet

29. August 2001, 13:34
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Polizeichef beschuldigt Globalisierungsgegner: "Sie haben die Black Blocks geschützt"

Rom - Die Staatsanwälte von Genua haben Ermittlungen gegen 16 Polizisten wegen angeblicher Brutalität gegenüber pazifistischen Globalisierungskritikern beim G-8-Gipfel im Juni eingeleitet. Italienischen Medien von Mittwoch zufolge wird den Polizisten schwere Körperverletzungen vorgeworfen. Die 16 Polizisten hatte in der Nacht auf den 22. Juli an einer Razzia im Hauptquartier des Dachverbands der pazifistischen Globalisierungskritiker im Zentrum von Genua teilgenommen. Dabei waren Dutzende Aktivisten verprügelt und verletzt worden.

Die Justizbehörden in Genua setzen inzwischen ihre Ermittlungen um den Tod des 23-jährigen Demonstranten Carlo Giuliani fort, der bei einem Angriff auf einen Polizeijeep in Genua von einem Carabiniere erschossen worden war. Die Ermittler konnten bereits vier junge Demonstranten identifizieren, die gemeinsam mit Giuliani das Polizeiauto mit Feuerlöschern angegriffen hatten. "Ich bin sicher, dass Carlo nicht begriffen hat, dass der Carabiniere die Pistole in der Hand hatte und auf ihn schießen wollte. Alles war so unwirklich", berichtete ein 30-jähriger Genueser, der wegen Beteiligung an einem Angriff auf die Polizei festgenommen wurde.

Arzt: Polizist geriet in Panik"

Vernommen wurde auch der Arzt, der mit einem Gutachten für die Ermittler feststellen musste, in welchem psychologischen Zustand sich der 20-jährige Carabiniere Mario Placanica befand, als er auf Giuliani schoss. Laut dem Arzt war Placanica beim Angriff in Panik geraten. "Er war überzeugt, er würde sterben", berichtete der Arzt. Seine Worte bestätigen die Ansicht von Placanicas Rechtsanwalt, wonach sein Mandant aus reiner Notwehr auf Giuliani geschossen habe.

Für Polemik sorgt in Rom die Vernehmung des abgesetzten Polizeichefs von Genua Francesco Colucci vor der parlamentarischen Untersuchungskommission, die die Hintergründe der Unruhen in Genua aufklären will. Colucci beschuldigte den Dachverband der Globalisierungskritiker "Genoa Social Forum"(GSF), nichts unternommen zu haben, um die Mitglieder gewalttätiger Anarchistengruppen anzuzeigen, die sich unter dien Pazifisten gemischt hatten. Das GSF habe in mehreren Fällen die Anarchisten sogar vor der Polizei in Schutz genommen. Colucci war nach den Krawallen in Genua seines Amtes enthoben worden.

Nicht genügend Informationen

Der Anti-Terror-Experte Arnaldo La Barbera, der ebenfalls wegen der Unruhen in der ligurischen Hauptstadt abgesetzt wurde, beschuldigte die italienischen Geheimdienste Sismi und Side, der Polizei keine Informationen über die Black Blocks geliefert zu haben, die nach Italien reisen wollten.

Zuvor hatte auch der italienische Polizeichef Gianni De Gennaro den Sicherheitskräften der EU-Partner vorgeworfen, Italien ungenügende Informationen über die in ihren Ländern aktiven Anarchistengruppen geliefert zu haben, die nach Genua unterwegs waren. (APA)

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