Deutsche Telekom erwartet zehn Milliarden Euro aus T-Mobile-Börsengang

28. August 2001, 15:07
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Mobilfunksparte soll 2002 an die Börse gebracht werden

Berlin - Nach drastischem Kurssturz, Rekordschulden und einem Halbjahresverlust in dreistelliger Millionenhöhe will die Deutsche Telekom mit dem Börsengang von T-Mobile wieder auf Erfolgskurs gehen. Die Börseneinführung der Mobilfunktochter sei für das kommende Jahr geplant, sagte Telekom-Chef Ron Sommer am Dienstag in Berlin. Das Unternehmen hofft dabei auf Einnahmen von 10 Mrd. Euro (137,6 Mrd. S). Die Deutsche Telekom ist zu 100 Prozent am österreichischen Mobilfunkbetreiber max.mobil beteiligt.

Sommer wies heute Kritik an seinen Managerqualitäten zurück: Er habe nichts unversucht gelassen, um Verkäufe von Großaktionären nach der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream in den Griff zu bekommen. Für die Zukunft gebe es nun "lediglich" 170 Millionen Aktien, "die potenziell an den Markt gebracht werden könnten". Durch Gespräche mit möglichen Verkäufern wolle er erreichen, dass dies ohne starke Kursschwankungen über die Bühne gehe.

"Missglückte Transaktion"

Mit Blick auf den Aufsehen erregenden Verkauf eines Pakets von 44 Mill. T-Aktien des Großaktionärs Hutchison Whampoa sprach Sommer von einer "missglückten Transaktion". Er sei "tief betroffen" über den darauf folgenden Kurssturz, sagte der Telekom-Chef. Anfang September und Anfang Dezember fallen die von der Telekom bei der VoiceStream-Übernahme vereinbarten Haltefristen für weitere rund 500 Mill. T-Aktien. Sommer bestätigte, am Montag mit Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zusammengetroffen zu sein, um über die Lage bei dem weitgehend noch dem Bund gehörenden Unternehmen zu beraten.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz der Telekom um 17 Prozent auf 22,5 Mrd. Euro. Damit wachse der Konzern "um ein Vielfaches stärker als die übrige Wirtschaft", betonte Sommer. Beim Ergebnis hinterließen die hohen Kosten für den neuen UMTS-Mobilfunkstandard und VoiceStream jedoch deutliche Spuren: In den ersten sechs Monaten blieb für den Konzern unter dem Strich ein Verlust von 349 Mill. Euro. Der Schuldenberg wuchs seit Ende März rund ein Fünftel auf zuletzt 65,5 Mrd. Euro.

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick betonte, das Unternehmen halte an seinem Plan fest, seine Verschuldung bis Ende 2002 um knapp ein Viertel auf 50 Mrd. Euro zu reduzieren. Dabei setzte die Telekom auf die Einnahmen aus dem T-Mobile-Börsengang sowie auf weitere fünf Mrd. Euro, die der laufende Verkauf von sechs regionalen TV-Kabelgesellschaften in Deutschland an den US-Konzern Liberty Media bringen soll.

Mobilfunkgeschäft mit Zuwächsen

Vor allem das Mobilfunkgeschäft legte im ersten Halbjahr deutlich zu. T-Mobile konnte sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 1,375 Mrd. Euro mehr als verdoppeln und erreichte bereits zur Jahresmitte fast das Niveau des gesamten Vorjahres. Die Zahl der Mobilfunkkunden stieg den Angaben zufolge um rund 90 Prozent auf 43,9 Mill. In Deutschland habe T-D1 die Marktführerschaft übernommen. Der Umsatz von T-Mobile verbesserte sich um 31 Prozent auf 5,97 Milliarden Euro, ohne die Neukonsolidierung der in diesem Jahr übernommenen US-Gesellschaften Voicestream und Powertel betrug das Wachstum knapp 20 Prozent.

T-Online International steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten um knapp 53 Prozent auf 539 Mill. Euro, die Zahl der Kunden stieg um 46 Prozent auf 9,2 Mill.. Das Ergebnis zur Jahresmitte lag allerdings mit 52 Mill. Euro im Minus. Die Zahl sei mit dem Vorjahreswert von 2,7 Mrd. Euro allerdings nicht direkt vergleichbar. Damals verzeichnete T-Online einen Sondereinfluss von rund 2,66 Milliarden Euro aus dem Börsengang.

T-Systems verbesserte seinen Umsatz um 46 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro. Das Ergebnis verringerte sich deutlich von 2,97 Mrd. Euro auf 354 Mill. Euro. Im Vorjahreszeitraum war allerdings ein Sonderertrag aus dem Verkauf der Beteiligung an Global One von 2,86 Mrd. Euro angefallen. Im Bereich T-COM ((Festnetzgeschäft) berichtete die Telekom von einem starken Wachstum der Neuanschlüsse bei ISDN und T-DSL. (APA/AP)

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