Vom Werkzeug zum eigenen Medium

28. August 2001, 12:10
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15 Jahre Prix Electronica lässt zurückblicken. Und das O.K Centrum für Gegenwartskunst ist bis unters "Mediendeck" voll mit Prix-Installationen.

Das kann einen ziemlich verwundern, was einst als Medienkunst galt. Christine Schöpf vom ORF Oberösterreich, Gründungsmitglied der Ars Electronica, erwähnt in diesem Zusammenhang eine Aktion von Nam June Paik, die als Beginn der Medienkunst angesehen wird: Mit dem (damals) neuen "Porterback" war es dem Künstler möglich, den Papst in New York Ende der Sixties in Natura aufzunehmen und das Ganze in einem Kaffeehaus abzuspielen.

Damals eine Sensation, heute eine Selbstverständlichkeit, die kein Mensch mehr als "Kunst" bezeichnen würde. Auch hier spiegelt sich ein Takeover, durch technische Innovation ermöglicht.

Computerkünste

Christine Schöpf blickt beim Prix Ars Electronica im Laufe der Jahre diesbezüglich auf einen wesentlichen Unterschied zurück: "Als der Preis vor 15 Jahren als Wettbewerb für Computerkünste eingeführt wurde, verstand man den Computer als Werkzeug für Künstler. Heute, bei Cyberarts, behandeln ihn die Kunstschaffenden als eigenes Medium."

Die Entwicklung vollzog sich, so Schöpf, "irrsinnig schnell". Hier fiel ihr auf, dass bis 1992 mehr technologische Themen und Lösungen in Zentrum standen, danach die Technikverliebtheit abnahm und mehr Wert gelegt wurde auf Konzept. Auch die Kategorien müssten laufend neu überdacht werden. Computerkünste definierte man von 1987 bis 1995 in den Bereichen Musik, Animation, Computergrafik. Letztere wurde 1995 durch interaktive Kunst ersetzt, Computermusik mutierte zu Digital Music.

1998 schließlich startete der Jungtalentewettbewerb u19, und im 15-jährigen Bestandsjahr splittet man den Internetbereich weiter auf. Je weiter das Internet sich ausbreitet, desto mehr Unterteilungen werden nötig sein.

Preisanwärter bei Net Excellence sind Projekte, die das Medium Internet optimal handhaben, bei Net Vision besonders Zukunftsweisendes. So auch die Site des Elektroniklabels Warp Records, die funktionales Design, Eigenwerbung sowie unabhängige Distribution ihrer Produkte gewährleistet.

Mit Banja, dem Internet-Game mit seiner Hauptfigur, dem Rasta, kämpfen heuer insgesamt 2200 Einreicher aus 65 Ländern um die Nicas, das Oscar-Pendant, und um das Preisgeld von 100.000 Euro.

Über die rasante Entwicklung aller Cyberarts in den vergangenen 15 Jahren setzt Running Pixels ins Bilde, eine Veranstaltung mit Screenings und Vorträgen.

Die heurigen Preisanwärter der goldenden Nicas, die - ähnlich dem Oscar - erst den tatsächlichen Gewinner im Rahmen der Prix-Ars-Electronica-Gala erfahren (3. 9.), sind zum Großteil auch in der Ausstellung im O.K Centrum für Gegenwartskunst zu sehen.

So zum Beispiel auch eine Installation der im "herkömmlichen" Kunstkontext bekannten Künstler Olaf Nicolai und Marko Peljhan, die es den Besuchern ermöglichen, "in einem vollkommen vernetzten Raum durch ein taktiles Matrix-Interface den Datenfluss in Netzwerken wahrzunehmen". Vernetzt und zugenäht!

Doris Krumpl

O.K Centrum für Gegenwartskunst
4020 Linz, Dametzstraße 30
--O.K im Web
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