"Dirty-Pictures- Skandal": Deutsche Regierung gegen Scharping-Rücktritt

27. August 2001, 16:08
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"Kein Grund für eine solche Diskussion"

Berlin - Die deutsche Regierung hat Oppositionsforderungen nach einem Rücktritt von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Privatbildern entschieden zurückgewiesen. Die Diskussionen über die Urlaubsbilder des Ministers mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati hielten am Montag unvermindert an. Scharping selbst wehrte er sich erneut gegen Vorwürfe, er vernachlässige sein Amt.

"Die Frage stellt sich schlichtweg nicht" - mit diesen Worten antwortete die stellvertretende Regierungssprecherin Charima Reinhardt am Montag in der Bundespressekonferenz in Berlin auf Fragen nach einem Abschied Scharpings. Die Bundesregierung sehe überhaupt keinen Grund eine solche Diskussion zu führen.

Rücktrittsforderung

Der CDU-Verteidigungspolitiker Paul Breuer hatte in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Montag) den Rücktritt des Ministers gefordert. "Scharping muss seinen Hut nehmen", zitierte die Zeitung den Politiker. Bilder in der Illustrierten "Bunte", die Scharping in Mallorca beim Baden mit seiner Lebensgefährtin zeigen, hatte bereits in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt.

Mit drastischen Worten kommentierte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle die Urlaubsfotos. Er sieht darin "eine Gefahr für die Autorität" des Ministers. Westerwelle sagte nach einer Sitzung des Parteipräsidiums, man könne nur mit Kopfschütteln Scharpings "Schnäbeleien" vor der Kamera zur Kenntnis nehmen, während sich die Soldaten der Bundeswehr auf einen ernsten Einsatz in Mazedonien vorbereiteten. "Ich bin fassungslos", sagte Westerwelle. Er gönne jedem Politiker-Kollegen von ganzem Herzen privates Glück. Aber wie Scharping sich hier inszeniere, das werde nicht ohne Auswirkungen auf die Bundeswehr bleiben. (APA/dpa)

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