Der italienische Big Mac bleibt billiger

27. August 2001, 11:26
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Preisunterschiede bleiben auch mit Euro

Wien - Der Big Mac kostet in Italien 4.300 Lire, umgerechnet rund 30 S oder 2,22 Euro. Heimische McDonald's verlangen für das berühmte Fleischlaberl 35 S also 2,54 Euro. Mit der Euro-Bargeldumstellung werden die Preise im Euroraum zwar leichter vergleichbar als bisher, an den verschiedenen Preisen wird sich jedoch nicht allzu viel ändern. Unterschiedliche Steuer- und Einkommenssituationen in den 12 Ländern der Eurozone, machen auch in Zukunft verschiedene Kalkulationen notwendig, so die Experten. Nur bei langlebigen Wirtschaftsgütern bzw. in Grenzregionen oder wenn die Transportkosten keine Rolle spielen könnte es zu weiteren Angleichungen kommen.

"Wegen eines billigen Haarschnitts wird niemand nach Portugal fahren", beschreibt Finanzmarkt- und Euroexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts Franz Hahn die Tatsache, dass die Einsparungseffekte hier durch die hohen Transportkosten mehr als aufgewogen werden. Was dabei entsteht nennen die Wirtschaftsexperten "lokale Monopole". Dieses ökonomische Faktum ist auch verantwortlich dafür, dass ein und das selbe Produkt oder die gleiche Dienstleistung in Europa sehr unterschiedliche Preise haben kann und trotzdem nicht hunderte Fast-Food-Freunde ihren Big Mac aus Italien holen und so Druck auf die Harmonisierung der Preise erzeugen.

Preise bleiben verschieden hoch

"Wir stimmen unsere Preise etwa zwischen Österreich, Deutschland und Italien ab, erklärt Ikea-Sprecherin Gabi Vyskocil. Auch konzernweit werde versucht, das Preisniveau von Billy & Co europaweit kontinuierlich anzunähern. Letztlich bleibe die Kalkulation aber wegen der unterschiedlichen Lieferanten- oder Transportkosten und der ungleichen Einkommenssituation der Bevölkerung sowie der lokalen Konkurrenzsituation der Tochterfirmen den einzelnen Ländern selbst überlassen.

Auch bei McDonald's kalkulieren die einzelnen Länderorganisationen die Preise von Hamburger Royal, Big Mac & Co selbst. Der Prozess sei noch nicht in allen Ländern abgeschlossen, hieß es aus der Euro-Koordinationsstelle in London. Die Preisunterschiede würden jedoch bleiben. Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin "Economist" zieht die unterschiedlichen Big Mac-Preise in mehr als 30 Ländern weltweit sogar seit Jahren als Maßstab für die Bewertung der lokalen Währungen heran.

Konvergenz in Grenzregionen

Nach Ansicht von Hahn könnte es zu einer stärkeren Konvergenz bei den Preisen in Grenzregionen kommen oder etwa bei unverderblichen Lebensmitteln, bei denen die Transportkosten keine große Rolle spielen. Auch bei langlebigen Wirtschaftsgütern wie etwa Autos - vorausgesetzt sie werden in den einzelnen Ländern steuerlich ähnlich behandelt - könnte es durch Eigenimporte zu Preisanpassungsdruck kommen.

Ausnahmen bilden weiterhin Treibstoff- aber auch Zigarettenmärkte, auf denen sich nicht zuletzt durch unterschiedliche steuerliche Behandlungen große Preisdifferenzen ergeben. Hier erwartet Hahn kaum Angleichungen: Auf den Treibstoffmärkten seien die zu hohen Transportkosten ein Hemmschuh, auf den Tabakmärkten die strenge Bestimmungen für Einkaufsmengen. (APA)

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