Pechschwarzes Jahr

22. August 2001, 19:30
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Bis Juni fast 800 Millionen Verlust - Flugzeugverkäufe sollen Bilanz retten

Wien - Nach einer mehr als betrüblichen Halbjahresbilanz geht die AUA auch für das zweite Halbjahr 2001 von einem "sehr schwierigen Geschäftsumfeld" aus. Die beiden noch amtierenden Vorstände, Herbert Bammer und Mario Rehulka, sprachen am Mittwoch vor Medienvertretern und Analysten davon, "alle Anstrengungen" zu unternehmen, ein ausgeglichenes Ergebnis im Gesamtjahr zu schaffen.

Spekulationen

Im ersten Halbjahr 2001 hat die Austrian-Airlines-Gruppe - also AUA, Lauda Air, Tyrolean Airways und Rheintalflug - einen um Gewinne aus Anlageverkäufen und Fremd-währungsbewertungen bereinigten - Verlust von fast 800 Millionen Schilling eingeflogen, eine Verschlechterung um 36,4 Prozent. Ohne Bereinigungen belief sich der Verlust sogar auf 70,2 Mio. € (966 Mio. S), die AUA hat also auch bei Fremdwährungsgeschäften ordentlich draufgezahlt. Auch die erstmalige Vollkonsolidierung der schwer angeschlagenen Lauda Air habe das Gruppen-Ergebnis mit rund 30 Mio. Euro (412 Mio. S) belastet, wurde hervorgestrichen. Sogar das Szenario eines Lauda-Konkurses wurde andiskutiert, jedoch als "nicht konstruktiv" bezeichnet. Nicht genannt wurde freilich das traditionell positive Teilergebnis von Tyrolean.

Hohe Verschuldung

Im Jahr 2000 verdiente die AUA-Gruppe noch mehr als eine halbe Milliarde Schilling, heuer wird bestenfalls eine schwarze Null erzielt. Die laufende betriebliche Eigenfinanzierungskraft (operativer Cashflow) hat sich im Halbjahr auf 235 Mio. Schilling halbiert. Die Nettoverschuldung liegt mittlerweile bei zwei Mrd. Euro oder umgerechnet 27,5 Mrd. Schilling.

Gegen den Konjunkturabschwung, die anhaltend hohen Treibstoffkosten und den starken US-Dollar kämpfen derzeit alle Fluglinien an. "Die Luftfahrt befindet sich erstmals seit zehn Jahren in einer Stagnation", sagte Rehulka.

Die AUA plant zur Rettung der Bilanz vor allem den Verkauf von acht Flugzeugen, was bis zu 660 Mio. S einbringen soll. Außerdem werden Preiserhöhungen überlegt, kein neues Personal aufgenommen, schwache Strecken aufgelassen oder in geringerer Frequenz geflogen. Die Lauda Air werde aber auch im Gesamtjahr negativ bleiben.

An der Wiener Börse wurde die tiefrote Halbjahresbilanz überraschend mit Kursgewinnen belohnt. Der AUA-Kurs stieg zunächst um 2,26 Prozent auf 10,84 Euro. Die Aktien waren aber in den Vortagen aus "Angst vor den Zahlen", wie Händler sagten, stark unter Druck gewesen. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 23.8.2001)

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