Belgrad: Mord an Geheimdienst- Mitarbeiter gibt weiter Rätsel auf

17. August 2001, 15:54
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Ermittlungen im engsten Umfeld von Präsident Kostunica werden zum Politikum

Belgrad - Die Belgrader Polizei tappt bei der Suche nach den Mördern von Momir Gavrilovic weiterhin im Dunkeln. Belgrader Medien berichteten am Freitag, im Zusammenhang mit der Ermordung des ehemaligen Soitzenfunktionärs der Geheimpolizei am 3. August seien bereits über hundert Personen einvernommen worden. Gavrilovic war auf der Strasse unweit seines Wohnhauses erschossen worden. Zuvor sollte er ein mehrstündiges Gespräch mit Mitarbeitern des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunca geführt haben.

DOS-Präsidium wartet zu

Das DOS-Präsidium - darin sind die Chefs aller achtzehn Mitgliedparteien vertreten - will die Affäre erst nach der Rückkehr von Präsident Kostunica auzs dem Urlaub erörtern. Das erklärte der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic gegenüber dem Sender "B-92". Ob die Affäre Gavrilovic zum Bruch der Regierungskoalition führen wird, ist noch nicht abzusehen. Cedomir Jovanovic, Parteikollege von Djindjic in der Demokratischen Partei erklärte bereits, dass "nicht einmal das Mindestmaß einer Grundlage für ein weiteres Wirken der Regierungskoalition" gegeben sei.

Korruptionsmachenschaften

Gavrilovic soll laut Medienberichten Mitarbeiter von Kostuncia über die Verstrickung von hohen DOS-Funktionären in Korruptionsmachenschaften unterrichtet haben. Inzwischen wird aber immer offensichtlicher, dass sich der Ex-Polizist an den Plänen der Demokratischen Partei Serbiens zur Umbildung der Geheimpolizei beteiligt hatte. In diesem Zusammenhang soll er auch Gespräche mit Zorica Radovic, Mitarbeiterin des Belgrader Institutes für europäische Studien, geführt haben. Die Juristin ist die Ehefrau von Kostunica und wird in der Öffentlichkeit als graue Eminenz in seiner Partei gehandelt. Weder Kostunica noch seine Frau haben die Medienberichte bisher kommentiert.

Der Tageszeitung "Vecernje novosti" zufolge, die sich auf Polizeikreise beruft, gebe es mehrere Parallelen zwischen der Ermordung von Gavrilovic und dem gewaltsaen Tod des früheren Direktors der jugoslawischen Luftfahrtgesellschaft JAT, Zika Petrovic, im April des Vorjahres. Der Mordanschlag auf Petrovic ist nie geklärt worden. (APA)

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