Bayer rechnet mit steigender Zahl von Todesfällen

17. August 2001, 15:31
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Sensibilität durch die Berichterstattung wurde erhöht

Leverkusen/New York/Paris - Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer rechnet mit dem Bekanntwerden weiterer Todesfälle im Zusammenhang mit dem vom Markt genommenen Cholesterin-Medikament Lipobay/Baycol. "Wir dürfen davon ausgehen, dass sich die Zahl erhöht, da die Sensibilität durch die Berichterstattung erhöht wurde", sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Bisher sind dem Unternehmen 52 Todesfälle von Patienten bekannt, die das Medikament eingenommen haben.

Dem Konzern steht wegen des vor gut einer Woche vom Markt genommenen Medikaments möglicherweise eine weltweite Klagswelle bevor. Der US-Anwalt Ed Fagan und sein Münchener Kollege Michael Witti wollen nach eigenen Worten Geschädigte aus aller Welt in eine Sammelklage in den USA einbeziehen. An der Börse legte der Kurs der Bayer-Aktie wieder etwas zu.

Der Firmensprecher sagte weiter, aktuell habe Bayer über die bisher genannte Zahl von 52 Todesfällen hinaus keine Erkenntnisse. Die Erfassung solcher Fälle obliege den Behörden und nicht dem Konzern.

Bayer hatte bisher stets darauf verwiesen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Einnahme des Cholesterin senkenden Medikaments nicht nachgewiesen sei. Nach vorläufigen Angaben wird in Deutschland der Tod von fünf Patienten, in den USA der Tod von 31 Patienten nach der Einnahme des Präparates untersucht.

Bayer hatte das Medikament Lipobay, das auch unter der Bezeichnung Baycol vertrieben wurde, vor gut einer Woche mit der Ausnahme von Japan weltweit zurückgezogen. Auslöser waren Meldungen über Fälle von Muskelschwäche nach der Einnahme des Medikaments, die unter Umständen zu Organversagen und zum Tod führen kann.

in USA würde Sammelklage 700 000 Menschwen betreffen

Witti sagte in Berlin in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Fagan, auch Deutsche sollten nach US-Recht entschädigt werden. Derzeit gebe es zwar keinen Weg für Deutsche, sich an der Sammelklage zu beteiligen. Diesen Weg werde er aber ermöglichen. Fagan sagte, die Sammelklage in den USA werde alle etwa 700.000 Menschen betreffen, die dort Lipobay genommen hätten.

Außerdem solle die Klage auf Fälle in aller Welt ausgeweitet werden. In die Klage solle auch der Co-Vermarkter von Baycol, die britische GlaxoSmithkline, einbezogen werden. Nach früheren Angaben von Bayer wurden etwa sechs Millionen Menschen mit dem Medikament behandelt.

In den USA sind im Zusammenhang mit Lipobay/Baycol aber auch weitere Sammelklagen gegen Bayer eingereicht worden. Inzwischen gibt es in sechs Bundesstaaten - Oklahoma, Florida, New Jersey, Illinois, Pennsylvania und Kalifornien - Schadenersatzklagen.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) hat die Anwaltskanzlei Schiffrin & Barroway LLP (Bala Cynwyd/Pennsylvania) nach eigenen Angaben bei einem Bezirksgericht in Pennsylvania eine Sammelklage gegen die Bayer Corporation eingereicht, die US-Tochterfirma der Bayer AG. In San Francisco ging die Anwaltsfirma Girard & Green LLP (San Francisco) mit ihrer Klage vor ein Bundesgericht. Weitere Klagen sind in Vorbereitung. (APA/Reuters/dpa/AP)

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