Anarchie und Operette

16. August 2001, 23:03
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Günter Traxler

Zunächst eine Gratulation. Unter dem Titel Ein neuer Professor gab "Die Presse" Dienstag bekannt, dass der Ministerrat einen Tag zuvor beschlossen habe, den nicht nur langjährigen, sondern auch renommierten Redakteur des Blattes Dr. Erich Witzmann dem Bundespräsidenten für die Ernennung zum Professor vorzuschlagen. Als Begründung führte "Die Presse" an: Witzmann gilt durch seine fundierten und engagierten Beiträge als der Bildungsjournalist des Landes. Glückwunsch!

Der Bildungsjournalist des Landes feierte seine künftige Würde am selben Tag mit einem Leitartikel über Die Gehrer-Uni, in dem er prophylaktisch professoral darauf bedacht war, die Mitte zwischen Fisch und Fleisch zu halten - das aber total engagiert und ohne es an der Würze eigener Überzeugung fehlen zu lassen. Diese gipfelte in dem Satz: Aber wir sind nicht an den Unis in Princeton, Columbia oder Basel, sondern in Österreich.

Dass wir hier und nicht anderswo sind, wollen wir ihm einfach glauben. Auch dass die Unis in Princeton oder Basel nicht in Österreich sind, nehmen wir ihm ab. Aber in welchem Columbia mag die dritte der von ihm genannten Universitäten liegen? Sollte er das ferne Kolumbien meinen? Oder vielleicht Britisch-Kolumbien? Schade, dass der Bildungsjournalist des Landes seinen Lesern so manches Bildungsgut vorenthält.

Ganz anders der Gastkommentator der "Presse" vom selben Tag. Unter dem Titel Fremdgesteuerte naive Globalisierungsgegner schüttete Herr Friedrich Korkisch, Politologe und Ministerialrat im Ministerium für Landesverteidigung, das feinst gefüllte Pulverhorn seines Wissens um dräuende Gefahren über die Leser der "Presse" bis zur Neige aus. Wie anno 1968 lebt eine anarchistische und antidemokratische Bewegung auf, plauderte er aus dem Nähkästchen militärischer Geheimdienste. Die anfangs der achtziger Jahre in sich zusammenbrechende "Friedensbewegung", die vor allem von der DDR, Libyen und Moskau gesteuert und finanziert worden war, erlebt nun in den "Globalisierungsgegnern" eine Neuauflage.

Na so was! Koordinieren sich unsere Ministerien denn überhaupt nicht? Wenn das der Innenminister früher erfahren und der Außenministerin weitergegeben hätte, hätte diese nicht so lange herumdrucksen müssen, sondern ihrem italienischen Amtskollegen gleich eine österreichische Kostenbeteiligung zusagen können, wenn die Volxtheater-Karawane in Genua nur zu lebenslänglich verknackt wird. Jetzt haben wir sie wieder im Lande: Damals wie heute werden naive, aber fanatisierte Jugendliche fremdgesteuert und schreien lautstark dümmlich Parolen nach, die ihnen die Drahtzieher vorgeben.

Nur um andere Geldgeber mussten sie und Herr Korkisch sich inzwischen umsehen: Finanziert wird diese anarchistische anti-demokratische Bewegung von den europäischen Linksparteien und von staatlich sowie privat subventionierten Polit-und Anarcho-Gruppen. Das erklärt zwar, wieso die SPÖ pleite ist - dieses ewige Finanzieren der Anarchisten ruiniert die reichste Partei. Aber wer die staatlich sowie privat subventionierten Polit-und Anarcho-Gruppen sind, die ihrerseits wieder diese anarchistische anti-demokratische Bewegung finanzieren, hätte uns der Politologe aus Scheibners Reich schon verraten können.

Und es wimmelt nur so von Feinden. Unter dem Banner des Anti-Kapitalismus finden sich Grün-Fundis, katholische und protestantische Radikale, "Gewerkschaften", Künstler, orientierungslose nützlich Idioten, deklarierte und getarnte Kommunisten, Anti-USA-und Anti-NATO-Lobbies und Berufsrandalierer, die davon leben, daß von oben angeordnet die Polizei nur zögernd wagt, gegen sie einzuschreiten, ebenso wie die Gerichte auch bei Tatbeständen wie Körperverletzung und Sachbeschädigung die Verfahren gerne zurücklegen.

Der Mann hat den Durchblick, aber was ist das für eine Regierung, die einen solchen Seher als Ministerialrat dahinvegetieren lässt? Nach seiner Aufzählung muss man sich doch fragen: Gibt es außer den Beamten des Verteidigungsministeriums überhaupt noch Bürger, die nicht davon leben, daß von oben angeordnet die Polizei nur zögernd wagt, gegen sie einzuschreiten? (Überhaupt interessant, dass man davon leben kann.) Müssen wir uns damit abfinden, dass ein katholischer Radikaler mit dem Innenministerium auch die Polizei unterwandert hat, und dass Justizminister Böhmdorfer unter dem Banner des Anti-Kapitalismus anordnet, die Gerichte mögen nicht nur Verfahren wegen Bespitzelung, sondern auch wegen Sachbeschädigung gerne zurücklegen?

Man fördert daher durch eine Verharmlosung und die Duldung geradewegs die Eskalation, wie in Genua erst jüngst wieder festzustellen war. Was Herr Korkisch offenbar meint, ist: Bloß einen Demonstranten zu erschießen, ist eine Milde, die nützliche Idioten nur ermuntert, weiter gegen die Globalisierung zu sein. Und Strassers Truppe hat in Salzburg - von oben angeordnet - nicht einmal das geschafft.

Der "Presse" ist für diesen Beitrag nicht weniger zu danken als der "Krone", die am selben Tag, als sie von der Freilassung der dreizehn Volxtheatraliker berichtete, noch rasch eine Leserin zu Wort kommen ließ, die Gefühle des Blattes auszudrücken: Das haben sie sich nicht so vorgestellt, die Volxtheater-Spieler, nämlich in italienischen Gefängnisse zu landen, und da bläst, scheint 's - Gott sei Dank! - ein anderer Wind als zu Hause im musikantenstadlfröhlichen und operettenseeligen Österreich, wo sie - wenn überhaupt - mit Samthandschuhen angefasst werden!

Wenigstens diese Dame war nicht fremdgesteuert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.8.2001)

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