Westliche Diplomaten müssen Afghanistan bis Dienstag verlassen

18. August 2001, 12:55
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Taliban verweigern Zugang zu den Gefangenen und Visumverlängerung

Peshawar/New York - Die westlichen Diplomaten, die sich in Afghanistan um Zugang zu den dort inhaftierten ausländischen Helfern bemühen, müssen das Land bis Dienstag verlassen. Ein am Samstag erneut eingereichtes Gesuch für eine Visum-Verlängerung wurde abgelehnt. "Wir haben ihre Pässe erhalten. Aber wir bleiben bei unserer Entscheidung, die Visa nicht zu verlängern", hieß es am Samstag aus Kreisen des Außenministeriums des Taliban-Regimes.

Die Visa der Diplomaten aus Deutschland, den USA und Australien laufen am Dienstag ab. Der Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Mutawakil erklärte laut der Nachrichtenagentur Afghanische Islamische Presse (AIP): "Es gibt keine Notwendigkeit, die Visa zu verlängern." Niemandem werde erlaubt, die Gefangenen zu sehen, so lange die Untersuchungen noch im Gange seien.

Bereits am Vortag war den Diplomaten erklärt worden, sie sollten in das benachbarte Pakistan zurückkehren und das Ergebnis der Ermittlungen gegen die acht Helfer der deutschen Organisation "Shelter Now" abwarten. Den Festgenommenen - vier Deutschen, zwei Australiern, zwei US-Bürgern - wird christliche Missionierung vorgeworfen. Ferner waren am 3. August auch 16 einheimische Mitarbeiter dieser Organisation unter der selben Anschuldigung von der Religionspolizei festgenommen worden.

Mission der Diplomaten abgeschlossen

Mutawakil sagte gegenüber AIP in der südafghanischen Stadt Kandahar, wo die radikal-islamische Taliban-Bewegung ihren Sitz hat, die drei Diplomaten hätten die Visa für den speziellen Zweck erhalten, mit Taliban-Regierungsvertretern zu sprechen. "Diese Mission ist nun abgeschlossen", erläuterte Mutawakil. "Sie sollten sich jetzt in Geduld üben und auf den Abschluss der Untersuchungen warten." Die Diplomaten waren am Donnerstag zum dritten und bisher letzten Mal mit Mutawakil zusammengetroffen, drangen aber weiter auf Zugang zu den Häftlingen.

Mutawakil meinte, die Mitglieder der Hilfsorganisation hätten die religiösen Gefühle von Millionen Afghanen und Moslems anderswo verletzt. Den Vorwurf von Verletzung der Menschenrechte der Gefangenen, bezeichnete Mutawakil als "westliche Propaganda".

UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich am Freitag besorgt über das Schicksal der Gefangenen. Ihre fortgesetzte Inhaftierung ohne juristischen und diplomatischen Beistand verstoße gegen internationales Recht, sagte Annan in New York. (APA/dpa)

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