Baric und der Glaube gegen alle Hoffnung

16. August 2001, 18:51
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Statt Aufschlüsse für Spanien hatte der Teamchef Sorgenfalten

Wien - Otto "ohne Rat" Baric wusste am nächsten Morgen schon wieder weiter. Während des Spiels wirkte der Teamchef verzweifelt, fast hilflos, diskutierte fast ohne Unterlass mit Co Didi Constantini, zog sich noch während der ersten Halbzeit zu einem Konsilium mit drei Reservisten (Kogler, Kitzbichler, Ibertsberger) zurück, eine fußballerisch unterbelichtete ÖFB-Mannschaft ging gegen die biederen Schweizer 1:2 ein, zeigte zum wiederholten Mal erschreckende technische (Ibertsberger, Hiden, Winklhofer, Neukirchner) und taktische Unzulänglichkeiten.

Alfred Hörtnagl, der solche Sachen normalerweise richten kann, litt unter schwerer Migräne, erbrach nach dem Spiel und verbrachte die Nacht im AKH. Zu den Merkwürdigkeiten dieser Partie gehörte auch, dass der selbst nach dem Urteil der Teambetreuung nicht in hochleistungsfähigem Zustand befindliche Tormann Franz Wohlfahrt für das 0:1 nichts auszurichten vermochte, ein Schusserl faustete er, statt den Ball zu fangen, ansonsten hatte er kaum zu arbeiten. Nach der Pause arbeitete Alexander Manninger, hielt einen ultraschweren Ball, erhielt ein Tor (2:1), das nicht zu verhindern war - höchstens durch die Verteidigung, erst an der Seite (Fehler von Hiden), dann im Zentrum, da Hakan Yakin zwischen Baur und Kogler genug Platz für ein Klavier hatte.

Vorbereitung in der Kabine nicht so streng

Otto Baric hatte das Freundschaftsspiel "ernst genommen", wie er behauptet. Aber nicht ganz. Denn die Vorbereitung in der Kabine war nicht so streng wie vor einem Quali-Match, und die Kicker, gewohnt, auf die leiseste Nuance einer Trainersuada zu hören, reagierten prompt mit Largieren. "Das Mittelfeld war nicht vorhanden", sagte Baric. Der Einzige, der sich nicht ganz vergeblich bemühte: Andi Herzog, Kapitän und Schütze des Massel-1:1, als dem Schweizer Goalie Pascolo ein Weitschuss unterm Bauch durchrutschte.

Valencia, ach weh

Am 1. September folgt das WM-Quali-Spiel in Valencia gegen Spanien, dort hat Österreichs Team mit einem 0:9 die Teamchef-Karriere des derzeitigen allgegenwärtigen Großanalysten Herbert Prohaska beendet. Damals stand Wohlfahrt auch im Tor, und man kann ihm zu seinem Mut, dort wieder hinzufahren, nur gratulieren, hoffentlich tun das nach dem Spiel auch seine Kollegen. Beim 1:1 gegen die Spanier in Wien "waren auch sieben der Spieler dabei", sagt Baric, der nun zwei, drei Mann von Mittwoch aussortieren will. "Aber ich schwimme in einem Pool von 40 Leuten, zehn sind zu alt, zehn zu jung. Und in der Bundesliga sind mehr als 100 Ausländer. Ich habe Kartnig von Sturm gefragt, wie hilfst du mir? Er hat 15 Ausländer im Klub."

Die technische Ausbildung sei nicht seine Sache, meint Baric nicht zu Unrecht. Die Schweizer, alles andere denn eine Weltklassemannschaft, haben mehr und bessere Legionäre. Wenn Vastic, Kühbauer und Flögel wie am Mittwoch außer Form sind, Mayrleb fehlt und Neukirchner neben den Schuhen steht, ist das des eleganten Fußballspiels unkundige Team ein jammervolles Ensemble. Also wieder "kämpfen und beißen" und klopfen, "in die Duelle gehen". Es wäre nicht Baric, wenn er nicht wie noch jedesmal sich selbst als den Punkt ausmacht, wo der Turnaround gelingen wird. "Ich habe schon 50-mal so ähnlich verloren und nachher wieder gewonnen. Liechtenstein war kriminell, nachher haben wir wieder besser gespielt." Es wird Vier-Augen-Gespräche regnen. Die Teamkicker sind selber schuld.
(Johann Skocek, Printausgabe Der Standard 17.08.2001)

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