Österreichische PolitikerInnen fühlen sich provoziert

12. August 2001, 13:54
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Pühringer prophezeit den nächsten Störfall

Wien - Als "eine Provokation ersten Ranges" bezeichnete der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (V) die Wiederaufnahme des Probebetriebs im tschechischen Atomkraftwerk Temelin am Sonntag. Er bedaure, dass auf tschechischer Seite - insbesondere von den Betreibern - scheinbar nichts dazugelernt worden sei.

In einer "sehr sensiblen Situation" solle man, so Pühringer, vielmehr beruhigen und den Dialog suchen, als die Stimmung noch anzuheizen. Der Landeshauptmann hätte sich erwartet, dass man zumindest das Ende der Umweltverträglichkeits- und der Sicherheitsprüfung abwarte.

"Die Tschechen haben keinen Grund mehr, uns Dialogverweigerung oder scharfes Vorgehen vorzuwerfen, wenn sie selbst auf diese provokante Art und Weise ihr Vorhaben weiter betreiben", betonte der Landeshauptmann. Man werde rechtlich, am Sektor der Öffentlichkeitsarbeit und am Sektor der politischen Intervention alle Möglichkeiten wahrnehmen, um weiter gegen Temelin vorgehen zu können.

Pühringer: "Ich prophezeie den ersten Störfall in der allernächsten Zeit."

Sima: Gesamteuropäisches Problem

SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima hat die Wiederaufnahme des Probebetriebs als "Affront und als unverantwortlich" bezeichnet. "Auf Biegen und Brechen soll Temelin ans Netz, auch wenn die unzähligen Pannen und die etliche Studien die Gefährlichkeit des Reaktors belegen", erklärte Sima im Pressedienst ihrer Partei.

Die SPÖ-Umweltsprecherin forderte zugleich die österreichische Regierung auf, sofort aufs Schärfste zu protestieren und ein endgültiges Aus für Temelin zu fordern. Für Sima ist Temelin ein gesamteuropäisches Problem, daher sollten auch Ausstiegsszenarien auf EU-Ebene initiiert werden, verlangte Sima.

Westenthaler sieht sich bestätigt

FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler hat die Wiederaufnahme des als "einen neuerlichen Höhepunkt der Frozzelei Tschechiens gegen Österreich" kritisiert. Die FPÖ sehe in dieser Haltung "eine volle Bestätigung für die Richtigkeit der Einleitung eines Anti-Temelin-Volksbegehrens, wie das die drei FPÖ-Landesgruppen Oberösterreich, Niederösterreich und Wien getan haben", erklärte Westenthaler am Sonntag in einer Reaktion.

Es zeige sich nun, "wie richtig die FPÖ mit dieser Maßnahme unterwegs ist", unterstrich Westenthaler in seiner Stellungnahme. Der FPÖ-Generalsekretär meinte ferner: "Jetzt muss es zu einem österreichweiten breiten Widerstand gegen diese Provokation aus Tschechien kommen ..." (APA)

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